Sport : Australian Open: Der spannendste Tag seit 13 Jahren

Jörg Allmeroth

Es soll bei den derzeitigen Australian Open im Tennis die Nacht der Nächte werden. Wenn am Donnerstagabend in der "Rod Laver Arena" Andre Agassi und Patrick Rafter zu ihrem Halbfinal-Duell antreten, "dann wird jeder auf die 16 000 Zuschauer im Stadion neidisch sein, die ein Ticket haben", sagt Pat Cash, der letzte Wimbledonsieger aus Australien.

Die Begegnung zwischen Agassi, der bisher souverän seine Grand-Slam-Mission vollzieht, und Rafter, der Kämpfer und Rackerer, ist die Zuspitzung eines Wettbewerbs, der schon bisher großartige Spiele geboten hat. Doch Agassi kontra Rafter, Titelverteidiger gegen lokalen Helden, Angreifer gegen Konterkünstler, das weckt hohe Erwartungen. Auf ein Finale vor dem Finale.

"Ich glaube, wir werden den spannendsten Tag seit der Einweihung des Stadions vor 13 Jahren erleben", sagt Turnierdirektor Paul McNamee, "es ist ein Traumspiel, ein Märchen für Fernsehen und Sponsoren." Ein Spiel, noch emotionaler, dynamischer und kontrastreicher als das zwischen Agassi und Sampras im Halbfinale vor zwölf Monaten? "Hundertprozentig", sagt Australiens Ex-Davis Cup-Boss John Newcombe, "es könnte schließlich das letzte Mal sein, dass Rafter überhaupt die Australian Open spielt." Jener hatte verkündet, vielleicht zum Saisonende das Racket in die Ecke zu legen. Ein Freudentag für Schwarzhändler, Fernsehbosse und Fans ist das Ereignis umso mehr, da der Schlagabtausch von Agassi und Sampras im Viertelfinale geplatzt war. Doch nach den sicheren Siegen von Agassi gegen seinen Landsmann Todd Martin (7:5, 6:3 und 6:4), und von Rafter gegen den Slowaken Dominik Hrbaty (6:2, 6:7, 7:5, 6:0) wich die Enttäuschung schlagartig.

"Jetzt kommt noch einmal etwas ganz Großes für mich, die Chance auf diesen Grand-Slam-Titel daheim", sagt Rafter, dessen Karriere der letzten Monate verblüffende Parallelen zu Agassi aufweist. Beide Publikumslieblinge hatten eine Saison mit nur einem großen Höhepunkt: Agassi den Australian-Open-Sieg, Rafter die gelungene Wimbledon-Kampagne, bei der sich im Finale Pete Sampras nur mit Glück durchsetzen konnte.

Doch der Rest des Jahres waren Frust und Ärger über immer neue Verletzungen und Rückschläge. Erst im Herbst - beide hatten ein verkorkstes US-Open-Turnier hinter sich - wendete sich das Blatt. Agassi nutzte die früh sichergestellte Teilnahme bei der Weltmeisterschaft in Lissabon, um Matchpraxis für die Aufgabe in Australien zu sammeln. Rafter trainierte sehr engagiert auf europäischem Sand, um für das Daviscup-Finale gegen Spanien gerüstet zu sein. Dort zwang ihn eine Verletzung zwar zur Aufgabe gegen Spaniens Nachwuchsstar Ferrero, doch Rafter sagt heute, "dass sich die Plackerei damals mehr als gelohnt hat."

Er spüre wieder, sagt Rafter, "dass ich die ganz schwere Tour gehen kann". Wie bei seinen beiden US-Open-Triumphen 1997 und 1998, wie in Wimbledon vor gut einem halben Jahr. Rafters Selbstbewusstsein nährt sich aus der Attitüde des harten Malochers, so wie bei Gegenspieler Agassi die Zuversicht aus der eigenen Fitness herrührt. "Seine Verfassung ist im Moment besser ist als jemals in seiner Laufbahn", sagt Konditionstrainer Gil Reyes. Andre, meint Coach Brad Gilbert, "ist für alle Herausforderungen gerüstet". So saß Gilbert mit Agassis Freundin Steffi Graf während des Matches sehr entspannt auf der Tribüne, Grund zur Aufregung gab es nicht.

Wacker hielt sich auch der letzte deutsche Teilnehmer. An der Seite von Byron Black (Simbabwe) erreichte David Prinosil (Amberg) nach einem 6:3, 6:4über Kevin Ullyet (Sombabwe) und Wayne Black, den Bruder seines Partners, sogar das Halbfinale. Dort sind die US-Amerikaner Justin Gimelstob/Scott Humphries die Gegner. Prinosil war 1993 mit Marc Goellner in das Endspiel bei den French Open gelangt und verlor dann gegen die US-Brüder Luke und Murphy Jensen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben