Sport : Australian Open: Ein riesiges Duell der gallischen Zwerge

Jörg Allmeroth

Er hat die schlechtesten Augen aller Spieler im Tenniszirkus. Aber in Melbourne bewies Arnaud Clement genügend Durchblick, einen Startplatz im Endspiel der Australian Open am Sonntag gegen Andre Agassi zu erkämpfen. Der Franzose, nach gut zweidreiviertel Halbfinal-Stunden bei einem 5:7, 2:6, 3:5-Rückstand scheinbar geschlagen, wehrte zwei Matchbälle gegen seinen Landsmann Sebastian Grosjean ab und gewann noch 5:7, 2:6, 7:6, 7:5, 6:2. "Hoffentlich habe ich am Sonntag wieder ein bisschen Kraft", sagte Clement, als sich nach exakt vier Stunden und acht Minuten der Vorhang hinter die französische Affäre gesenkt hatte.

Clement blickte nun dem Showdown mit Titelverteidiger Agassi ins Auge. "Wahrscheinlich hat sich Andre vor dem Fernseher ins Fäustchen gelacht, dass wir uns nicht entscheiden konnten, wer gewinnt", sagte der 23-jährige Kämpfer. Zweieinhalb lang Sätze nur ein Spielball seines ebenfalls 175 Zentimeter kleinen Kumpels Grosjean, dann der Held unterm geschlossenen Hallendach. Als Clement endlich, nach vier vergebenen Matchbällen, das Ticket Endspielverabredung mit Agassi gelöst hatte, fiel der Jubel spärlich aus. Nicht wegen körperlicher Abgespanntheit, sondern aus Respekt vor dem tragisch eingebrochenen Mitstreiter Grosjean: "Ich wollte mich nicht aufführen wie ein Gockel, das hätte ihn noch mehr geschmerzt." Doch die Seelenpein für den kreativen Tennis-Artisten, zweimal nur noch einen einzigen Punkt vom Triumph entfernt, war auch so schon groß genug: "Ich bin untröstlich und ziemlich down. Hoffentlich kann ich dieses Match schnell vergessen und wegstecken", sagte Grosjean.

Nun trägt Clement als gegenwärtig schlagstärkste Symbolfigur der französischen Tennis-Renaissance die Farben der Equipe Tricolore ins Endspiel - gegen einen Andre Agassi, der sich das Duell der "gallischen Zwerge" ("The Courier Mail") gelassen in seiner Luxussuite im Fünf-Sterne-Palast "The Como" anschaute: "Alle Zeichen stehen auf einen Sieg von Andre", prophezeite in einem Fernsehinterview aus der Ferne selbst Frankreichs früheres Tennisidol Yannick Noah. "Ich bin mir sicher, dass er sich diesen Titel nicht mehr aus der Hand nehmen lässt."

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