Australian Open : Endlich wieder Lust auf Trubel

Florian Mayer hat gegen Philipp Petzschner eigentlich schon verloren - und siegt gegen seinen Bayreuther Sandkastenfreund doch noch in fünf Sätzen in der ersten Runde der Australian Open.

Petra Philippsen[Melbourne]
Australian Open - Florian Meyer
Der Ehrgeiz ist wieder da. Florian Mayer bei den Australian Open.Foto: dpa

Der Regen prasselte inzwischen auf den Court 13. Eigentlich hätte die Partie sofort unterbrochen werden müssen, zu groß war die Verletzungsgefahr auf dem blauen Hartplatz. Doch Florian Mayer hatte Matchball. Fragend blickte er hinüber zu Philipp Petzschner, der winkte ab: Lass es uns einfach beenden. „Versprich’, dass du den Return ins Aus spielst“, rief Mayer ihm zu und Petzschner musste lachen, obwohl ihm gewiss nicht danach zumute war. Wie der sichere Sieger hatte Petzschner ausgesehen – und doch ging er nun als Verlierer vom Platz. Der Return segelte tatsächlich ins Aus, die Partie war ohnehin längst entschieden gewesen.

Mit 0:6, 2:6, 6:4, 6:2 und 6:2 zog Mayer in die zweite Runde der Australian Open ein. Es war ein emotionaler Sieg für den 26-Jährigen, in vielerlei Hinsicht. Seit gefühlten 20 Jahren kennt er Philipp Petzschner, ist gemeinsam mit ihm in Bayreuth aufgewachsen, eine Art Kindergartenfreundschaft. Und auf dem Tennisplatz kennen sie sich einfach zu gut. Am Freitag trainierten sie noch gemeinsam, bevor sie hörten, dass sie gegeneinander antreten müssen. „Ich war irgendwie wie gelähmt, ich kann es nicht erklären“, sagte Petzschner tief enttäuscht, „aber Flo hat den Sieg verdient.“ Petzschner hatte sich viel erhofft, will sich unbedingt in den Top 50 etablieren. Doch wie so oft in seinen Partien wechseln sich geniale und klägliche Momente ab. „Er hatte das Match eigentlich schon gewonnen“, sagte Mayer, „die ersten beiden Sätze waren eine Vorführung.“

Doch Mitte des dritten Satzes stellte Mayer sein Spiel um und übernahm die Kontrolle. Kaum noch etwas erinnert an den schüchternen Florian Mayer, dessen Körpersprache nicht einmal kleine Kinder beeindruckt hätte und dem das Tour-Leben nie behagte. Den schnellen Erfolg konnte der eher sensible Mayer nicht verkraften. Dass er es vor fünf Jahren auf Anhieb ins Viertelfinale vom Wimbledon schaffte, kam für den damals 20-Jährigen viel zu früh. Zu jener Zeit wusste Mayer seine Gegner mit seiner ungewöhnlichen Technik noch zu düpieren, doch spätestens nach seinem zweiten Jahr auf der Profi-Tour war der Überraschungseffekt verpufft und die Rückschläge folgten. Seinen Platz unter den besten 40 Spielern der Welt konnte er nicht halten, Mayer haderte mit sich, seinem Spiel und seiner Berufswahl. „Ich habe mich ständig gefragt, warum ich das eigentlich mache. Das Reisen, die Turniere, das alles hat mir überhaupt keinen Spaß mehr gemacht“, sagt Mayer rückblickend. Im Mai 2008 zog er die Notbremse, pausierte sieben Monate und gewann den nötigen Abstand zum Tennis.

Als Nummer 450 der Welt reiste Mayer vor einem Jahr nach Melbourne und kämpfte sich durch die Qualifikation bis in die dritte Runde. Mayer steht nun wieder auf Rang 60, das reicht ihm jedoch nicht. Die Zeit der Sinnkrise ist vorbei, der Ehrgeiz zurückgekehrt. Und auch die Scheu vor der großen Bühne ist verflogen: „Ich bin wieder bereit für den Trubel. Jetzt weiß ich, dass ich das will.“

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