Sport : Australian Open: Gut gepokert

Jörg Allmeroth

Geht er rechts aus seinem Hotel in Melbourne hinaus, nimmt David Prinosil dieser Tage gern den Weg zum neuen städtischen Viertel Southbank und zum prunkvollen Crown-Casino. Dort, sagt David Prinosil, "bin ich ein guter Gast". Am Roulettetisch halten sich die Erfolge des deutschen Davis-Cup-Spielers schließlich in eher bescheidenem Rahmen: "Ein besonders toller Zocker bin ich nicht - man kann da sehr viel holen, aber auch sehr viel verlieren."

Mehr Geld macht Prinosil zurzeit, wenn er mit einer Limousine des Australian-Open-Transportservice links vom Hotel abbiegt und zum National Tennis Center fährt. Spätestens seit Donnerstag, seit seinem Einzug ins Doppelfinale an der Seite von Wayne Black (Zimbabwe), hat er die größte Prämie seiner Karriere in der Tasche: 100 000 Mark sind garantiert, 35 000 kommen für seinen Einzelstart hinzu.

"Dafür, dass ich hier fast schon erledigt war, ist die ganze Geschichte beinahe wie ein Traum", meinte Prinosil nach dem 7:6, 6:1-Halbfinalerfolg über die amerikanische Kombination Justin Gimelstob und Scott Humphries. Am Samstag treffen der Deutsche und sein schmächtiger, aber treffsicherer Partner Black nun auf Jonas Björkman und Todd Woodbridge (Schweden/Australien). Das Duo besiegte Wayne Arthurs und Nenad Zimonjic (Australien/Jugoslawien) mit 4:6, 6:0, 6:2.

Acht Tage nach seinem Hitzschlag im Center-Court-Duell gegen Andre Agassi steht Prinosil tatsächlich vor einem Sieg mit historischen Dimensionen: Als erster Deutscher in der 98-jährigen Geschichte der Australian Open kann er in Melbourne zum "großen Wurf" (Grand Slam) ausholen. "Wir sind so nah dran, jetzt sollte es auch klappen", sagte David Prinosil, der seit Jahren so konstant im deutschen Tennis-Nationalteam spielt wie kein anderer.

Schon einmal, 1993 bei den French Open in Paris, hatte er gemeinsam mit Marc-Kevin Goellner kurz vor einem Grand-Slam-Triumph im Doppel gestanden, doch dann war die Herausforderung im Sand von Roland Garros gegen die amerikanischen Brüder Luke und Murphy Jensen zu groß. "Diesmal will ich unbedingt einen Schritt weiter kommen - zum Titelgewinn", sagte Prinosil, der nun schon eine Woche länger als seine Landsleute Kiefer und Haas in Melbourne beschäftigt ist. Macht Prinosil seine Ankündigung wahr, ist er der erste Deutsche nach Michael Stich auf einem Doppel-Thron - der Elmshorner siegte 1992 mit John McEnroe in Wimbledon gegen die Amerikaner Grabb / Reneberg.

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