Australian Open : Neustart in Australien

Florian Mayer siegt und hat wieder Spaß am Tennis. Der New comer des Jahres 2004 brauchte ein halbes Jahr Abstand vom Sport, um ihn wieder genießen zu können.

Anke Myrrhe[Melbourne]
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Florian Mayer

Dass es so einfach werden würde, hatte Florian Mayer nicht erwartet. 6:2, 6:1, 6:2 besiegte er gestern Lamine Ouahab aus Algerien. Über den Einzug in die zweite Runde der Australian Open freute sich der 25-Jährige sichtlich. Noch mehr allerdings freut es ihn, dass er endlich wieder Spaß am Tennis hat. Den hatte der New comer des Jahres 2004 in den vergangenen beiden Jahren nämlich gänzlich verloren. Mehr als ein halbes Jahr Auszeit nahm sich Mayer daraufhin – eine ungewöhnliche Maßnahme. Doch anscheinend war es für ihn genau die richtige. Gut gelaunt und fit hat sich Mayer nun in Melbourne zurückgemeldet, die Qualifikation überstanden und auch sein erstes Spiel gewonnen. Mit Philipp Petzschner, Mischa Zverev, Denis Gremelmayr, Björn Phau, Julia Görges, Julia Schruff und Kathrin Wörle sind sieben Deutsche hingegen bereits ausgeschieden.

„Es war die beste Entscheidung meines Lebens“, sagt Mayer über den Entschluss, einfach ein paar Monate kein Tennis zu spielen. „Die letzten zwei Jahre waren hart, mir hat das Tennis keinen Spaß mehr gemacht“, sagt der Bayreuther. „Ich war ausgebrannt und habe viele Matches verloren, weil ich nicht richtig gekämpft habe.“ Eine Verletzung am rechten Zeigefinger kam ihm da gerade recht. Er ließ sich operieren und betrat drei Monate keinen Tennisplatz mehr, spielte den Rest des Jahres kein einziges Turnier – obwohl die Blessur längst überstanden war.

2004 hatte Mayer in Deutschland sehr große Hoffnungen geweckt, nachdem er in Wimbledon bei seinem zweiten Grand-Slam-Turnier überhaupt auf Anhieb das Viertelfinale erreicht hatte. In einem Jahr kletterte der damals 21-Jährige in der Weltrangliste 200 Plätze nach oben und fand sich auf Rang 33 wieder. Mayer wurde zum ATP-Newcomer des Jahres gewählt. „Das kam alles etwas zu früh“, sagt er heute. Die Erwartungen danach waren groß – zu groß für ihn. „Bum-Bum-Mayer“, titelte die Bild-Zeitung damals in Anspielung auf den Spitznamen von Boris Becker, „unser neuer Wimbledon-Held“. Von der Wiedergeburt des deutschen Tennis war gar die Rede. „Der ganze Rummel war mir unangenehm“, erinnert sich Mayer. „Ich konnte das nicht genießen.“ Rang 33 im September 2004 blieb sein bislang bestes Ergebnis. Nun startet er wieder neu: als Nummer 450 der Weltrangliste.

„Der Flo hat das einzig Richtige gemacht“, sagt auch sein Daviscup-Kollege Philipp Kohlschreiber, der gestern sein erstes Match gegen Sam Querrey (USA) 7:6 (8:6), 6:3, 6:2 gewann. Mayer hat inzwischen gezielt an Ausdauer, Kraft und Schnelligkeit gearbeitet. „Ich muss jetzt keine Angst mehr haben, wenn es in den fünften Satz geht“, sagt er. Sein nächster Gegner allerdings heißt Juan Martin del Potro, der Argentinier ist die aktuelle Nummer sechs der Welt. „Da habe ich nichts zu verlieren“, sagt Mayer. „Ich habe ihn schon einmal glatt geschlagen und werde versuchen, ihn ein wenig zu ärgern.“

Eines war Mayer gestern aber besonders wichtig: Man solle seinen glatten Erstrundensieg bitte nicht überbewerten. Damit die Erwartungen nicht wieder zu groß werden.

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