Sport : Australian Open: Rios glänzt und nörgelt wie einst

Marcelo Rios hat seinem Ruf als glänzender Tennisspieler mit losem Mundwerk wieder einmal alle Ehre gemacht. Bei den Australian Open in Melbourne sorgte der Chilene mit harter Kritik am Damen-Tennis für Aufregung. "Bis zum Viertelfinale gewinnen die Favoritinnen ihre Spiele hier viel zu leicht. Das Herren-Tennis ist wesentlich härter", sagte Rios nach dem glatten Erfolg der Schweizerin Martina Hingis über die Leverkusenerin Barbara Rittner in der dritten Runde. Heute spielt Rios im Viertelfinale gegen Thomas Haas (9.30 Uhr, live in der ARD).

Online-Gaming Spiel, Satz und Sieg: Der Pong-Klon von meinberlin.de Der Chilene wiederholte seine Kritik am Damentennis, als Martina Hingis auch gegen die Südafrikanerin Amanda Coetzer nur ein Spiel abgab: "Die ist die Nummer zwölf der Welt und verliert 0:6, 0:6 in 20 Minuten. Es ist lächerlich, was im Damen-Tennis abgeht, und in der Umkleidekabine hat mir jeder zugestimmt." Tatsache ist: Bis auf die verletzte Serena Williams standen die ersten acht der Setzliste im Viertelfinale - ganz im Gegensatz zur Herren-Konkurrenz. Titelverteidigerin Jennifer Capriati fuhr dennoch einen heftigen Konter: "Wir alle wissen, was die Wahrheit ist. Seine Aussagen sind lächerlich. Dummheit verdient eigentlich keine Antwort", schimpfte die Amerikanerin.

Rios brachte daraufhin Karsten Braasch ins Spiel. Der mittlerweile 34 Jahre alte Oberhausener hatte sich 1998 einem Kampf der Geschlechter gestellt. Die Williams-Schwestern hatten damals einen männlichen Trainingspartner gesucht, Braasch meldete sich freiwillig. Nach einer vorherigen Runde Golf bezwang er erst Serena 6:1, dann Venus 6:2 und gönnte sich zwischendurch eine Zigarette. Damals war Braasch noch 203. der Einzel-Weltrangliste, das vergangene Jahr beendete er auf Rang 1310. "Er spielt inzwischen etwas besser, so dass die beiden jetzt ein paar Probleme bekommen würden. Vielleicht geht es diesmal 6:0 aus", spottete Rios.

Nur wenige Tage zuvor hatte der Chilene beteuert, er sei inzwischen ruhiger geworden. "Früher drehte sich bei mir alles um Tennis, Tennis, Tennis. Jetzt bin ich verheiratet, habe ein Kind und andere Dinge im Kopf", sagte die frühere Nummer eins der Weltrangliste. Noch im vorigen Mai hatte er in Rom eine Nacht in der Zelle verbringen müssen, weil er angetrunken auf einen Taxifahrer eingeprügelt hatte. 1998 hatte der mittlerweile 26 Jahre alte Linkshänder sein bestes Jahr. Zwei Monate nach dem Final-Einzug bei den Australian Open, wo er dem Tschechen Petr Korda klar unterlag, folgte für sechs Wochen der Sprung an die Spitze der Weltrangliste. Verletzungen warfen Rios danach allerdings immer wieder zurück.

Der Chilene hat auf dem Weg ins Viertelfinale in Melbourne nur einen Satz abgegeben und mit einigen der spektakulärsten Schläge des Turniers begeistert. Dennoch gab er sich selbstkritisch: "Ich spiele nicht konstant. Ein gutes Match, dann wieder ein ganz schlechtes", sagte Rios, der wie Haas in der Tennis-Akademie von Nick Bollettieri in Florida trainiert. Haas über seinen Gegner: "Wenn er in Form ist, gehört er zu den besten Spielern der Welt."

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