Sport : Australiens erster WM-Sieg

Die Mannschaft von Trainer Guus Hiddink dreht das Spiel und bezwingt Japan 3:1

Armin Lehmann[Kaiserslautern]

Lange genug provozierten die Japaner das eigene Schicksal, so dass die Wende genügend Hinweise auf ihr Kommen gab. Fehlpässe häuften sich in der zweiten Halbzeit in Japans Spiel, lässiges Passen im Mittelfeld endete mit Ballverlusten am gegnerischen Strafraum oder kläglichem Auslassen von Chancen. Japans Trainer Zico handelte gegen sein Naturell als Brasilianer und versuchte, das knappe 1:0 auch noch durch Herausnahme eines Stürmers abzusichern. Es lief die 84. Spielminute.

Japan fühlt sich sicher. Torwart Kawaguchi zeigt noch bei einem scharfen Freistoß von Aloisi, dass er gewillt ist, das Spiel konzentriert zu Ende zu bringen. In der gleichen Minute wirft Neill einen Einwurf weit in den japanischen Strafraum, wieder ist Kawaguchi da, aber anstatt den Ball festzuhalten, lässt er ihn vom Gegner weiterleiten. Im Spielergetümmel hinter ihm reagiert der eingewechselte Tim Cahill am schnellsten: ein historisches Tor, das erste in der WM-Geschichte Australiens. Und am Ende eines nicht unlogischen Spielverlaufs darf Australien sogar ein 3:1 (0:1) bejubeln, den ersten Sieg bei der zweiten WM-Teilnahme nach 1974.

Zico, der es vor nicht allzu langer Zeit öffentlich für möglich hielt, „dass wir Weltmeister werden“, suchte erst gar nicht nach Erklärungen: „Die haben einfach gewonnen, die haben das Spiel gedreht. Was soll ich sagen?“ Hinter den simplen Worten steckte die richtige Analyse: Tatsächlich hatten die Australier einfach nicht aufgehört daran zu glauben, dass es noch klappen könnte. Trainer Guus Hiddink hatte auch einiges für diesen Glauben riskiert, er hatte am Ende nicht nur vier Stürmer auf dem Platz, sondern auch den Mut, das Tor mit der sprichwörtlichen Brechstange für sein Team zu öffnen.

Zuvor hatten die Australier mit überraschend souveränem Pass- und Konterspiel die Partie begonnen. Zwar agierten Viduka, Kewell, Emerton und Co. gewohnt körperbetont, aber auch mit der notwendigen Technik, um die dicht gestaffelten Japaner im Eins-zu-eins- Spiel auszutricksen und Chancen zu erspielen. Die beste Chance kreierte Australien ausgerechnet vor dem 0:1. Bresciano spielte Viduka steil am Strafraum an, der passte brasilianisch mit der Hacke zurück, nur der Abschluss misslang.

Fast im Gegenzug flankte Nakamura harmlos in den Strafraum, wo sich ein Pulk von Spielern vor Torwart Schwarzer um den Ball rangelte. Australiens Torwart setzte zu zögerlich zum Sprung an, wurde noch behindert, und der Ball lag im Netz. Kein Foul, entschied Schiedsrichter Dante (26.).Auf der Tribüne verdiente sich das japanische Publikum die Führung. Lautstark wurde die eigene Mannschaft vom blauen Block angefeuert, und wenn man es gut meint mit den australischen Anhängern, gesteht man ihnen zu, sie hätten die Stimmbänder für den historischen Moment geschont. Der kam ja dann auch in jener 84. Minute, und als Tim Cahill fünf Minuten später mit einem tollen Schuss aus der Distanz das zweite Tor erzielte, brachen die Gelben in Sekunden zu Phonstärken auf, die nicht mehr zu messen waren. Hüpfend und tanzend feierte die australische Bank schließlich Aloisis 3:1. Danach blieben die Helden bewusst bescheiden, lobten den „wunderbaren Teamgeist“, und Oberheld Cahill fand: „Es ist schön, dass ich dieses erste WM-Tor gemacht habe, aber gewonnen haben alle.“ Und dann versprach er, ganz teamorientiert, dass er sich trotz seiner Tore „natürlich auch gegen Brasilien“ wieder auf die Bank setzen werde, wenn es der Trainer so will.

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