AUSWÄRTS Spiel : 108 Jahre in 62 Minuten

28. 11. 07, Frankfurt, Eintracht-Museum: Ein Rundgang mit Charly Körbel

Daniel Meuren

Frankfurt am Main, tief in den Katakomben des Waldstadions (es trägt jetzt den Namen einer Bank, aber den ignorieren wir hier). Noch eine Nacht schlafen, bis das Eintracht-Museum eröffnet wird. Karl-Heinz Körbel, 53, genannt „der treue Charly“ und mit 602 Spielen Bundesligarekordmann, macht mit uns einen ersten Rundgang durch 108 Jahre Frankfurter Fußball-Geschichte. Los geht’s.

Keine zehn Sekunden ist Körbel im Raum, da hat er schon die Aura der Einzigartigkeit zerstört. „Ach, das Trikot hängt ja auch bei mir zu Hause“, sagt er. Es ist ein Original-Trikot aus dem von der Eintracht gewonnenen Uefa-Cup-Finale von 1980. Vereinsarchivar Matthias Thoma hat das Hemd und 449 weitere Ausstellungsstücke in mühevoller Sammlerarbeit zusammengetragen.

Körbel schlendert weiter und schaut auf Schuhe, Autogrammkarten, Eintrittskarten, Spielerpässe, Pokale undsoweiterundsofort. Überall kann er eine Geschichte erzählen. Als wir an der ihm allein gewidmeten Vitrine vorbeikommen, wird es ernst. Im Glaskasten liegt ein 30 Zentimeter langes Metallstück. „Das Ding hatte ich nach meinem Schien- und Wadenbeinbruch drei Jahre im Knochen stecken”, sagt Körbel. „Immer wenn ich durch die Sicherheitskontrolle am Flughafen ging, hat es gepiepst.“ Gespielt hat Körbel schon nach dreieinhalb Monaten wieder. Weiter geht’s. Körbel kommt an einem Fernseher vorbei, Bilder aus der Eintracht-Vergangenheit. Körbel schießt gerade das Tor, mit dem er 1975 den 1:0-Sieg im Pokalfinale gegen Duisburg besiegelt. „Ha! Schaut mal, wie gut ich vor dem Tor war!“, ruft der frühere Vorstopperheld.

Nach 62 Minuten und dutzenden Anekdoten erklärt Körbel das Auswärtsspiel für beendet. Als lachender Sieger geht er nach Hause. War ja eigentlich auch ein Heimspiel. Daniel Meuren

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