AUSWÄRTS Spiel : Deutschland – Argentinien 11:0

10. September, Frauen-WM, Schanghai Zuschauer: 28 098 – Bratwürste: 0

Matthias Koch

Die junge Frau auf der Sitzschale nebenan rutscht seit Minuten nervös hin und her und starrt auf den Rasen. Dort unten spielt sich ein buntes Spektakel ab: Sun Wen, die berühmteste chinesische Fußballspielerin, schwebt in den Himmel des Hongkou-Stadions von Schanghai. Aus den Boxen dröhnen staatstragend-schwere Klänge, die Leute auf den Tribünen haben Gänsehaut. Die Eröffnungsfeier der Frauen-WM war kurz, knackig und westlich angehaucht. Gastgeber China hat sämtliche Models aus den umliegenden Millionenstädten eingeflogen.

Argentinien stellt dagegen beim Hauptakt, naja, Fallobst auf. Die südamerikanischen Spielerinnen kassieren elf Stück gegen Deutschland. Für die einheimischen Zuschauer ist das zu viel. Etliche kehren nach dem klaren 5:0-Halbzeitstand nicht mehr auf ihre Plätze zurück.

Überhaupt ist die Stimmung komisch: Bei jedem gelungenen Querpass geht ein Raunen durch die Arena, fällt ein Tor – kehrt fast Ruhe ein. Erfahrene Fußballfans sehen anders aus. Das Organisationskomitee will volle Stadien und jagt Jungpioniere in einheitlicher Kleidung in ganze Blöcke. Die billigste Eintrittskarte kostet umgerechnet drei Euro. In China ist das allerdings manchmal der Verdienst mehrerer Tage. Popcorn kostet 50 Cent – Thüringer Rostbratwurst gibt es nicht, leider.

Tor, Tor, Tor. Dann ist auch schon Abpfiff, 11:0, fast panikartig verlassen die Zuschauer das Stadion, aus den Lautsprechern ertönt die Ansage: „The game is over. Please leave the stadium.“

Die vielen Torschützen haben sich die meisten Chinesen sicherlich nicht gemerkt. Die nervöse junge Frau auf der Sitzschale nebenan schon. Sie schwärmt allerdings nicht von Birgit Prinz oder Sandra Smisek, sondern vielmehr von Silvia Neid. Die Bundestrainerin hat trotz ihres traditionell feinen Zwirns einen ins Aus fliegenden Ball mit der Brust gestoppt. Irre. Matthias Koch

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