AUSWÄRTS Spiel : FC Empoli – Cagliari Calcio

9. Dezember, 15 Uhr, Italien, Serie A: An die Tageskasse kommen nur 786 Fans

Vincenzo Delle Donne

Ein trauriges Szenario ereignet sich im Stadio Castellani zu Empoli. Es schüttet vom Himmel, der abstiegsgefährdete Klub US Cagliari ist zu Gast. Und nur 786 zahlende Zuschauer wollen das Erstligaspiel sehen. „Zuschauerschwund in Italien“ titeln prompt die deutschen Zeitungen. Gut, es haben noch 3500 Fans eine Dauerkarte, aber weil die meisten keine Lust auf ihre Mannschaft haben, bleiben sie zu Hause und fast alle Plätze leer. Die Kameraleute, die das Spiel für die TV-Stationen einfangen, haben ihre Mühe damit, nicht die tristen Ränge ins Bild zu setzen. Nur so kann die Dauerkrise des italienischen Fußballs etwas maskiert werden.

Schiebung, Krawalle, veraltete Stadien, das ist der Alltag im italienischen Fußball. Cagliari ist zwar kein Zuschauermagnet. Doch auch Empoli hat erheblich von seiner Attraktivität eingebüßt. Die Stürmer der Mannschaft, die sich in der letzten Saison sogar für den Uefa-Cup qualifizierte, treffen nicht mehr: Sieben Tore in vierzehn Spielen sind nicht viel.

Doch schon die erste Minute zeigt, dass es heute für Empoli besser laufen wird. Giovinco, von Juventus Turin ausgeliehen, flankt zu Stürmer Pozzi, ebenfalls ein Leihspieler, vom AC Mailand. Und der trifft zum 1:0. Die Fans mögen nicht viele sein, aber jubeln können sie. Die zwei U-21-Nationalspieler, die in der Provinz Spielpraxis sammeln sollen, bestimmen das Spiel. Wenige Minuten später ist es erneut Pozzi, der das 2:0 erzielt, in der zweiten Halbzeit legt er noch zwei nach, und auf einmal führt Empoli 4:0. Damit geht Pozzo in die Annalen der Vereinsgeschichte ein und auch in die der Serie A. Das Spiel endet 4:1, Empoli verlässt die Abstiegszone. Der neue Trainer Alberto Malesani hat die Wende geschafft.

Wie war das noch mal mit der Minuskulisse in Deutschland? Am 15. Januar 1966 kamen 827 Zuschauer ins Olympiastadion, um sich das Bundesligaspiel von Tasmania gegen Mönchengladbach anzuschauen. Aber das ist schon eine halbe Ewigkeit her.Vincenzo Delle Donne

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