AUSWÄRTS Spiel : Heracles Almelo – AZ Alkmaar 2:1

30. September, Holland, 8500 Zuschauer: Deutsche Schlager im Polmann-Stadion

Christoph Kuczera

Das Polmann-Stadion liegt am Stadtrand der holländischen Kleinstadt Almelo. Eine Stunde vor Spielbeginn tummeln sich dort dunkle Anzugträger, Familienväter mit Kindern, der Gattin, der Oma, dem Opa – von traditionell gewandeten Anhängern ist wenig zu sehen. Alles ähnelt einem gemütlichen Sonntagsausflug mit Kaffee und Kuchen. Fehlen eigentlich nur noch die Picknickkörbe auf den Rängen.

Im Stadion selber wird bis kurz vor Anpfiff zu leichter Kindermusik sanftmütig gefachsimpelt – von Kuttenfans und Schalträgern immer noch keine Spur. 14 .30 Uhr, Anstoß. Wie aus heiterem Himmel werden aus bedächtigen Vätern euphorische Fans, betagte Großmütter vergessen ihre Kinderstube.

Den frühen Rückstand von 0:1 bügeln die Mannen von Heracles im Laufe des Spieles aus, später fällt der Siegtreffer für den Gastgeber. Ein Fan absolviert mit einer gefühlt 20 mal 20 Meter großen Fahne nach den beiden Heracles-Treffern in Spitzengeschwindigkeit eine Stadionrunde, und auch der Spielball wird gleich zweimal über das Stadiondach gedroschen – alles unter tosendem, hexenkesselartigem Beifall. Wen wundert es, dass nach Abpfiff sogar das eher deutsche „Viva Colonia“ erklingt. Dann tuscheln auch wieder die Großmütter, Familienväter und Anzugträger leise miteinander, und nichts erinnert mehr an ein Spiel in der Ehrendivision – eher an einen gelungenen Familiennachmittag oder Theaterbesuch. Christoph Kuczera

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