AUSWÄRTS Spiel : Offenbach – 1899 Hoffenheim

11. Mai, Hoffenheim, „Magic Sportsbar“: Wie die Fans vorm Fernseher mitfiebern

Christian Tretbar

Eigentlich gibt’s sonntags immer Brunch: Ei, Nutella, Lachs und Käse, dazu ein Gläschen Sekt, für 11,90 Euro. Doch diesmal ist alles anders, da hat keiner Lust auf krümeliges Frühstück, es ist eh viel zu eng in der „Magic Sportsbar“. 250 Leute sind da. Sekt? Ja, schon, aber erst um 15.47 Uhr. Nach Abpfiff, wenn ihr Klub aufgestiegen ist – 1899 Hoffenheim.

Es ist die einzige Sportsbar im Ort, unweit vom neuen Stadion in Sinsheim, das gerade für den Zweitligisten gebaut wird. Am Eingang hängt ein riesiges Plakat. Zwei Meter breit, ein Meter hoch, abgebildet ist der Schal von 1899 Hoffenheim und in weißer Schrift auf blauem Grund steht: „Ein ganzes Dorf in Dortmund“. Damit sind 4500 Hoffenheimer zum DFB-Pokal-Viertelfinale nach Dortmund gefahren. Glück hat es nicht gebracht, die TSG schied aus, aber stolz waren sie schon.

An diesem Sonntag soll es besser laufen. Und siehe da: Eine tolle Nachricht kommt zunächst aus Köln. Der FC ist gegen Mainz in Führung gegangen. Mit einem Sieg in Offenbach kann Hoffenheim den Aufstieg in die Bundesliga perfekt machen. Doch der Jubel kommt erst um 15.14 Uhr, als Francisco Copado in Offenbach einen Elfmeter verwandelt, 1:0. Kneipenchef Charly zählt für „La Ola“ runter. Das gab’s in der Kneipe nie: Die Welle schwappt die 20 Meter lange Theke entlang.

Noch 36 Minuten. Der Aufstieg ist zum Greifen nah, Köln erhöht sogar auf 2:0. In Hoffenheim macht sich Hoffnung breit. Wirt Charly organisiert den Sekt, der vom Brunch übrig geblieben ist. Auch das Wort Freibier macht die Runde – bis auf einmal alle verstummen. Es ist 15.35 Uhr. Der Schiedsrichter pfeift, Elfmeter für Offenbach. Suat Türker läuft an, der Schuss sitzt, 1:1. Ernüchterung in der Sportsbar in Hoffenheim. Das Bier kostet zwar nur 2,20 Euro, auf Frusttrinken hat aber keiner Lust. Die Party fällt aus.

An diesem Sonntag treffen sie sich wieder im „Magic Sports“. Ihr Klub spielt gegen Greuther Fürth. Wer eine der 6350 Karte ergattert hat, geht ins Stadion. Auf dem Messegelände stehen diesmal sogar Leinwände, Public Viewing in Hoffenheim. Ein Dorf macht sich bereit für den Jubel. Genauso wie Charly. Der hat den Sekt längst kalt gestellt. Christian Tretbar

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