AUSWÄRTS Spiel : RCD Mallorca – Real Betis

24. Februar 2008, 17 Uhr, Ono-Stadion: In Palma wird diesmal nicht gejohlt

Karsten Doneck

Wegweiser sind überflüssig. Wer über die Via Centura, die Stadtautobahn, die um Palma herumführt, Richtung Andratx unterwegs ist, sieht rechter Hand schon kurz hinter der Ausfahrt nach Valldemossa das Ono-Stadion. Beängstigend steile Tribünen mit roten Sitzplätzen laden dazu ein, Fußball zu gucken.

An diesem kühlen, wolkenverhangenen Sonntag füllen gut 13 000 Zuschauer eher spärlich die für 23 142 Menschen eingerichteten Ränge. Es spielt der Elfte der Primera Division gegen den Dreizehnten, RCD Mallorca gegen Real Betis aus Sevilla. Kein billiges Vergnügen. Die preiswerteste Karte kostet um die 30 Euro. Wer erhöht unter dem Tribünendach nicht nur das Spiel sehen will, sondern nebenbei auch mal einen Blick auf die umliegende Landschaft im Abendlicht werfen möchte, zahlt 56 Euro.

Die Stimmung bleibt reserviert. Über Stadionlautsprecher werden die Zuschauer zu rhythmischem Klatschen aufgefordert, das Publikum reagiert auf derlei Animation eher gelangweilt. Varela bringt Mallorca nach der Pause in Führung, Edu gleicht eine Viertelstunde vor Schluss aus. 1:1, das war’s – halt, nicht ganz! Die wenigen deutschen Touristen, die sich zu dieser Jahreszeit auf Mallorca befinden und auf das Abendbüffet in ihrem Hotel zugunsten des Fußballspiels verzichtet haben, erleben noch einen bemerkenswerten Augenblick: David Odonkor, deutscher Nationalspieler, wird in der Nachspielzeit bei Real Betis eingewechselt. Den Ball berührt Odonkor nicht, seinem Aktionsdrang kommt der Abpfiff zuvor.

Da sind aber von den 13 000 Zuschauern nur noch 8000 übrig geblieben. Schon bald nach Spielschluss kann der Reinigungsdienst seine Arbeit beginnen. Die Zuschauer haben sich die 90 Spielminuten damit vertrieben, große Mengen von Erdnüssen und Pistazien zu vertilgen, die Maxitüte für zwei Euro. Die aufgeknackten Schalen haben sie der Bequemlichkeit wegen einfach auf den Boden geworfen und zurückgelassen. Das Zusammenfegen solcher Hinterlassenschaften übernehmen nun andere – alles im Eintrittspreis inbegriffen. Karsten Doneck

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