AUSWÄRTS Spiel : Werder Bremen – Hamburger SV

1. Dezember, Halbzeitpfiff, 16.17 Uhr: Es wüten Hooligans – aus Hannover

Andre Görke

Am Tag danach, als die Glasscherben vom Bürgersteig gefegt sind, bebt noch immer die Stimme des Wirts. „Keiner wurde verletzt, Gott sei Dank“, sagt der Mann. „Wir hatten richtig viel Glück!“

Es war ein merkwürdiges Fußballspiel im Weserstadion. Werder Bremen gegen den Hamburger SV, ein Klassiker. Zur Pause lag Bremen durch Sanogos Tor 1:0 vorn. 37 000 Werder-Fans jubelten, 5000 Hamburger hofften. „Im Stadion war die Stimmung aufgekratzt, aber friedlich“, sagen später Polizisten. „Nordderby halt“.

Dabei waren schon vor dem Anpfiff Flaschen und Steine von HSV-Fans geworfen worden; sie hatten einen Verkehrspolizisten verletzt, der die Autos auf die Parkplätze einweisen wollte und nun eine blutige Narbe am Kopf trägt. Eine zweite Polizistin hat auf ihrer Flucht vor dem grölenden Wahnsinn eine Prellung an der Hüfte erlitten. Sie rettete sich in ein Polizeiauto, Hooligans sprangen auf die Haube, prügelten auf die Windschutzscheibe ein und konnten erst von herbeieilenden Polizisten auf Pferden vertrieben werden.

Verrückt? Ja, doch das war nur ein Vorgeschmack auf das, was in der Halbzeit vor dem Stadion passieren sollte. „Es war unfassbar“, sagt ein Wirt, der aus Furcht „vor diesen Leuten“ lieber anonym bleiben will. In den Eckkneipen eine Straße weiter hatten sich auffällig viele Männer versammelt. Das „Beck’s“ kostete 2,80 Euro, im Fernsehen war Werbepause, „da ist die Stimmung plötzlich explodiert“, berichtet der Wirt. 200 Männer hätten die Kneipen auseinander genommen, „eine nach der anderen und dann die Polizei attackiert“. Das bestätigen später Ermittler. 93 Männer wurden festgenommen, mehr als bei der Randale zum 1. Mai in Berlin. Als die Polizisten die Männer überprüften, stellten sie überrascht fest: „Es waren fast alle Hooligans aus Hannover.“

Fahnder verweisen auf eine Freundschaft, eine Hooligan-Allianz zwischen Hannoveranern und Hamburgern (und Bielefeldern, doch die hatten am Samstag wohl Besseres zu tun). „Diese Szene hat komische Spielregeln, die normale Menschen nicht verstehen“, sagen erfahrene Polizisten. Die Reise der Hannoveraner nach Bremen war also kein Zufall, sondern Provokation. Warum? Morgen empfängt Hannover 96 – genau – Werder Bremen. Die Polizei sagt es nicht so, aber sie fürchtet: Rache. Andre Görke

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