Sport : Ausziehen des Trikots

Schiedsrichter Krug über den bloßen Oberkörper der Spieler

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NACHSPIEL

Westfalenstadion Dortmund, 75. Minute. Nach seinem Tor zum 4:1 gegen Hansa Rostock zieht sich der Dortmunder Odonkor sein Trikot aus. Drunter hat er - ein identisches Trikot. Sein Oberhemd schenkt er einem Rollstuhlfahrer. Schiedsrichter Keßler bestraft ihn mit der Gelben Karte. Dreisamstadion Freiburg. Das 4:1 seines Freiburger Mannschaftskollegen Iaschwili gegen Hannover 96 lässt Coulibaly vor Freude das Trikot ausziehen. Weil er vorher schon die Gelbe Karte gesehen hatte, schickt ihn Schiedsrichter Steinborn mit Gelb-Rot vom Platz. Hatten die Schiedsrichter keine andere Wahl, Herr Krug?

Wenn ein Spieler sich sein Trikot auszieht, muss der Schiedsrichter den Spieler verwarnen. Er hat keinen Ermessensspielraum. Durch diese Regel von 1996 sollte verhindert werden, dass nach Torerfolgen überflüssig Zeit vergeudet wird. Der Spieler darf sich das Trikot wohl über den Kopf, nicht aber vollständig ausziehen. Dass Odonkor ein identisches Trikot drunter trug und sein Hemd auch noch verschenkt hat, wirkt sich nicht strafmildernd aus, auch nicht, wenn er sein Hemd, wie in diesem Fall, an einen Rollstuhlfahrer verschenkt. Denn wenn es bei jeder Regel einen Katalog von Ausnahmen gäbe, würde bald niemand mehr das Regelwerk verstehen. Die Regel muss klar und prägnant formuliert sein, und das ist sie auf jeden Fall.

In der vergangenen Saison ist diese Regel für ein Jahr wieder ausgesetzt worden, doch dann gab es im Sommer 2003 folgenden Fall beim Confederations-Cup: Ein Spieler hat sich nach einem Tor sein Trikot ausgezogen und anschließend Minuten gebraucht, um es wieder anzuziehen, weil im Trikot noch ein Unterhemd eingenäht war. Zwei Mitspieler mussten ihm noch beim Anziehen helfen.

Insgesamt betrachtet ist die derzeitige Situation ohnehin merkwürdig und kompliziert: Die Fifa-Exekutive wollte für das Ausziehen des Trikots wieder eine Gelbe Karte, doch diesem Vorschlag ist die internationale Regelkommission zunächst nicht gefolgt. Deshalb wird das Ausziehen in dieser Saison nur in Deutschland und in der Schweiz bestraft, nicht aber bei internationalen Spielen. Erst im Februar dieses Jahres hat die internationale Regelkommission dann doch dem Vorschlag der Exekutive zugestimmt. Das bedeutet: Bei der Europameisterschaft in Portugal wird es dann allen Spielern verboten sein, die Trikots auszuziehen, um einen Torerfolg zu feiern.

Hellmut Krug erklärt im Wechsel mit Manfred Amerell eine Szene des aktuellen Spieltags der Fußball-Bundesliga. Der Gelsenkirchener Krug pfiff selbst 17 Jahre lang in der Bundesliga. Foto: R/D

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