• Auszug aus dem Stammlokal Die Deutschlandhalle ist für die Eisbären nur ein Zwischenstopp

Sport : Auszug aus dem Stammlokal Die Deutschlandhalle ist für die Eisbären nur ein Zwischenstopp

Claus Vetter

Berlin. Wenn ein Gastwirt beabsichtigt, sein Lokal an einen neuen, größeren Standort zu verlagern, wird das im Regelfall bei der Stammkundschaft keinen Applaus finden. Im kleinen Kreis lässt sich der Feierabend nun mal gemütlicher genießen als unter vielen neuen Gästen. So oder so ähnlich ist derzeit die Gefühlslage eines Teils der Anhänger des EHC Eisbären. Denn die Fans aus Hohenschönhausen müssen ihr kleines Stammlokal, den nur 5000 Zuschauer fassenden Wellblechpalast, verlassen. Der Berliner Klub der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) wird für die ersten Play-off-Partien in die 4000 Besucher mehr fassende Deutschlandhalle umziehen.

Die Eisbären verweisen offiziell darauf, dass zurzeit der Viertelfinalspiele die Weltmeisterschaft im Eisschnelllauf im Sportforum stattfindet. Der Senat hat den Klub schon vor Jahresfrist darauf hingewiesen, dass zwischen dem 9. und 17. März im Sportforum keine anderen Großveranstaltungen stattzufinden haben, weil sonst Parkplatzprobleme drohen. Doch ganz so ungelegen kommt den Eisbären der Umzug nicht: Schließlich ist der Wellblechpalast die drittkleinste Halle der DEL, liegen die sportlich derzeit als Tabellenführer erfolgreichen Berliner trotz fast immer ausgeschöpfter Kapazität in der Zuschauertabelle der Liga nur auf Rang acht. In der Deutschlandhalle können die Eisbären testen, ob sie auch außerhalb Hohenschönhausens ziehen. Ziel ist ein ausverkauftes Haus, wie Marketingmanager Billy Flynn zu verstehen gibt.

Bisher haben die Berliner für das erste Heimspiel am 12. März 4000 Karten, für das zweite Play-off-Heimspiel am 16. März 3000 verkauft. Flynn verweist in diesem Zusammenhang gerne darauf, „dass wir die besten Fans der Liga haben“. Das aber behauptet jeder DEL-Klub von seinem Publikum. Ob die Eisbären aber binnen weniger Tage 18 000 Menschen motivieren können, zum Eishockey zu gehen, auf dass die Deutschlandhalle zweimal mit jeweils knapp 9000 Zuschauern ausverkauft ist? Und wenn ja: Was passiert mit der neu gewonnenen Kundschaft, wenn danach – wie geplant – wieder im Sportforum gespielt wird? Müssen dann 4000 Fans draußen bleiben? Flynn will davon noch nichts hören: „Wenn das passiert, haben wir ein schönes Problem.“

Ganz gewiss wird der Ausflug in die Deutschlandhalle auch beim Eigentümer des Berliner Klubs genau verfolgt. Schließlich will die Anschutz Entertainment Group aus Denver am Ostbahnhof eine 16 500 Zuschauer fassende Multifunktionsarena errichten. Da wird es die Herren aus Amerika schon interessieren, wie sehr die Eisbären tatsächlich die Massen mobilisieren können. Denn bei Anschutz geht es um das Geschäft: Wenn sich ein Markt als nicht lukrativ erweist, wird er verlassen. So spielt das Unternehmen nach Informationen des Tagesspiegels mit dem Gedanken, sein Engagement beim tschechischen Eishockey-Klub Sparta Prag zu beenden: Zwar sind die Prager seit dem Einstieg von Anschutz im Jahre 1999 zum Branchenführer in der ersten tschechischen Eishockey-Liga avanciert. Sparta musste sogar seine traditionellen Vereinsfarben ändern und spielt nun in den Farben der Los Angeles Kings – dem Anschutz-Klub aus der nordamerikanischen Profiliga NHL. Allerdings haben sich die erhofften Gewinne im Merchandising für Anschutz nicht eingestellt. Bei Sparta lässt sich mit dem Verkauf von Tickets angesichts der wirtschaftlich angespannten Lage im Land nicht viel verdienen, ein Hallenbau ist auch nicht geplant.

Sollte Sparta fallen gelassen werden, hätte das für die Eisbären keine Auswirkung. In Berlin ist die Expansion für Anschutz weiter möglich. Der Umzug in die Deutschlandhalle ist nur ein Zwischenstopp auf dem Weg in die geplante Großarena. Am Sonntag gibt es allerdings noch einen Auftritt im Stammlokal: Die Eisbären empfangen am drittletzten Spieltag der Hauptrunde die Augsburger Panther im Sportforum (18 Uhr 30).

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