Sport : Auszug aus der Provinz

Matthias Anbuhl

Berlin. Wenn Carsten Sauer an den 30. November denkt, wird ihm ganz warm ums Herz. An jenem Tag nämlich trifft der VfL Gummersbach auf den THW Kiel, und der Manager des VfL hat eigens für diese Partie die Kölnarena angemietet. Mehr als 11 000 Tickets konnten die Gummersbacher bereits verkaufen, das ist Rekord in der Bundesliga. Dem VfL beschert das eine dringend benötigte Zusatzeinnahme, denn in der heimischen Eugen-Haas-Halle hätten gerade einmal 2000 Fans Platz gefunden. "Wir brauchen unbedingt mehr Zuschauer. Sonst können wir auf Dauer keinen guten Bundesliga-Handball mehr finanzieren", sagt Sauer. Sein Klub entkam vor zwei Jahren nur knapp dem Konkurs.

Der VfL Gummersbach ist nicht der einzige Verein in der Handball-Branche, der unter chronischer Finanzknappheit leidet. Die Bundesliga ist auf dem besten Weg, sich zumindest finanziell in zwei Klassen zu unterteilen. Während die Klubs in Magdeburg, Kiel und Flensburg fürstlich leben, stehen vor allem die kleinen Vereine aus der Provinz am Rande der Pleite. Die SG VfL Bad Schwartau beispielsweise plagt ein Defizit von 3,5 Millionen Mark, die SG Hameln hat gerade die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Die Hausbank hatte ihre Kreditrichtlinien verschärft, und schon waren die Hamelner nicht mehr liquide. "Wie krank ist die Liga wirklich?", fragt das Fachblatt "Handballwoche".

Wenn Winfried Klimek Recht hat, kränkelt die Liga sehr. Der finanzielle Exitus könne nahezu jeden zweiten Verein ereilen, sagt der Gesellschafter der SG VfL Bad Schwartau. "Es gibt mehrere Klubs, in deren Hallen nicht mehr als 3 000 Zuschauer passen. Die sind alle vom Konkurs bedroht." Die Vereine in der Provinz müssten bald in die Arenen der großen Städte ziehen, prophezeit Klimek. Er selbst plant daher den Wechsel seines Vereins nach Hamburg in die neue Volkspark-Arena, die rund 15 000 Besuchern Platz bieten soll. Klimek kalkuliert in Hamburg mit 6 000 Zuschauern pro Spiel, in Bad Schwartau kamen gerade einmal 1000. Unterdessen wird munter spekuliert, ob mit dem Tausch der Spielstätte auch eine Namensänderung der Mannschaft einhergeht. Die lokale Presse spekuliert schon, das Team könnte künftig für den Hamburger SV auflaufen. Klimek mag dies noch nicht bestätigen, gesteht aber ein, "dass wir nicht dauerhaft unter dem Namen Bad Schwartau in Hamburg antreten können". Die endgültige Entscheidung über den Wechsel der Spielstätte fällt bei einer Gesellschafter-Versammlung am 26. Oktober.

In Gummersbach schmiedet Carsten Sauer bereits Pläne, weitere Spiele in die Kölnarena zu verlegen, "die Partie gegen Kiel ist nur ein erster Test". Die wirtschaftliche Entwicklung der Liga lasse den Gummersbachern keine andere Chance, als sich nach einer neuen Heimstätte umzusehen. "Die Schere zwischen Arm und Reich klafft immer weiter auseinander. Vereine, die keine großen Arenen haben, werden bald nicht mehr um den Titel spielen können", sagt der Gummersbacher Manager. In der Tabelle ist der VfL nach fünf Niederlagen in sieben Saisonspielen auf Platz 15 abgerutscht. Für neue Spieler fehlt das Geld. "Das zeigt doch, dass wir eine neue Spielstätte benötigen", sagt Sauer.

Liga-Boss Heinz Jacobsen indes begrüßt die Hallenpläne der Handballklubs. "Es ist doch erfreulich, wenn mehr Publikum zum Handball kommt." Auch die kleinen Vereine könnten sich dieser Entwicklung auf Dauer nicht verschließen, sagt Jacobsen. Der Deutsche Handball-Bund selbst hat auch schon ein Auge auf die neue Mehrzweckhalle in Hamburg geworfen. Denn bisher wurde das Finale im DHB-Pokal in der kleineren Alsterdorfer Sporthalle ausgespielt, ein Umzug in die größere Halle könnte folglich mehr Geld in die Kasse des DHB spülen.

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