Autokorso und Jubelfeiern : Berlin ist eine türkische Party

25000 Fußballfans haben in der Nacht in Berlin den Sieg der türkischen Nationalmannschaft über Tschechien gefeiert. 500 Autos reihten sich zum Jubelkorso auf. Am Kurfürstendamm entstand ein kilometerlanger Stau. Die riesige Party blieb meist friedlich. Es gab nur einige wenige Festnahmen.

André Görke,Markus Hesselmann
Türkischer Jubel
Eine Stadt sieht rot. Auf dem Ku'damm feierten nach Abpfiff die Türken.Foto: ddp

Mit Hupkonzerten, Autokorsos und Pyrotechnik haben türkische Fans den knappen Einzug ihrer Mannschaft ins Viertelfinale der EM gefeiert. Bereits kurz nach dem Abpfiff um zwanzig vor elf hatten sich viele auf den Straßen im westlichen Berliner Stadtzentrum rund um das Kranzler-Eck am Kurfürstendamm, sowie vor allem in Kreuzberg, Wedding und Neukölln versammelt.  Riesige Fahnen mit dem Halbmond wurden vor Freude geschwenkt. „Es herrscht absolute Feierstimmung“, sagte eine Polizeisprecherin.

Immer mehr Fans fuhren im Laufe des späten Abends hupend in Richtung Ku'damm. Sie lehnten sich während der Fahrt aus den Autofenstern und Schiebedächern. Sie schwenkten Fahnen, machten Gesten der Freude und jubelten. "Türkiye, Türkiye", schallte es durch die Stadt. Der Korso von der Bülowstraße aus in Richtung Tauentzienstraße war nahezu lückenlos. In der Nacht blieb es in Berlin dann weitestgehend friedlich.

Am Montagmorgen hieß es bei der Polizei auf Anfrage, dass es keine größeren Zwischenfälle und nur acht Festnahmen gegeben habe. "Das ist toll gelaufen", sagte eine Polizeisprecherin am frühen Morgen. "Dafür dass so viele Menschen gefeiert haben." Rund 25000 Fans und 500 Autos hatte die Polizei auf den Straßen und Plätzen der Stadt insgesamt gezählt. An diesem Freitag gibt es auf jeden Fall wieder eine riesige Feier in Berlin: Dann spielt die Türkei im Viertelfinale gegen Kroatien - mit entweder kroatischen oder türkischen Autokorsos und Jubelfeiern als Folge.

Im westlichen Zentrum der Stadt waren die Menschen in der Nacht zum Montag besonders ausgelassen. Gegen halb zwölf kam der Verkehr auf dem Kurfürstendamm vollständig zum Erliegen, es bildete sich ein kilometerlanger Stau aus hupenden, blinkenden und singenden Türkei-Fans. Am Ernst-Reuter-Platz gab es kein Durckommen mehr. Fans kletterten mit Flüstertüten auf Ampeln und stimmten Gesänge an, unten tanzte die Menge vor Freude. Es wurden immer wieder Feuerwerkskörper gezündet. Kurz vor Mitternacht kam es dann zu ersten Festnahmen. Ansonsten blieb es fröhlich ausgelassen, aber meist friedlich in Berlin.

In Kneipen, Biergärten, Dönerbuden und Teestuben hatten die türkischstämmigen Berliner häufig gemeinsam mit Fans der deutschen Elf das Spiel verfolgt. Der Besitzer des türkischen Imbiss' auf dem Winterfeldtplatz in Schöneberg zum Beispiel hat seinen Bier- und Teegarten während der EM mit Bierbänken erweitert und zwei große Flachbildschirme aufgehängt. Dort bejubelten deutsche und türkische Fans gemeinsam bei Weizenbier, schwarzem Tee und Milchkaffee sowie Döner, Köfte oder Linsensuppe den späten Sieg des Teams von Trainer Fatih Terim.

"Sie können ihre Koffer packen und nach Hause fahren", hatten einige frustrierte Zuschauer allerdings schon über ihr Team gesagt, als es 2:0 für Tschechien stand. Nach Hause ging hier am Winterfeldtplatz jedoch niemand. Schließlich ist die Türkei inzwischen dafür bekannt, dass sie Spiele noch zu drehen vermag. Beim Anschlusstreffer war der Jubel noch ziemlich verhalten. Skepsis mischte sich mit Hoffnung. Als dann der 2:2-Ausgleich fiel, brach unbeschreiblicher Jubel los. Alle freuten sich auf das in diesem Fall wegen Punkt- und Torgleichheit notwendige Elfmeterschießen nach einem dramatischen Spiel.

"Jetzt noch einen!", rief ein türkischer Fan beschwörend. Und so kam es. Beim 3:2 war kein Halten mehr. Einige jugendliche Fans sprangen jubelnd und Fahnen schwenkend über Tische und Bänke. Bevor es Kleinholz gab, griff der Wirt beherzt, aber freundlich ein. Er verschaffte sich mit wenigen Worten und Gesten Respekt und beruhigte die Gemüter. Das gute Dutzend ungestümer Jungs zündete daraufhin noch ein paar bengalische Lichter und Raketen neben dem Biergarten und umkreiste jubelnd den Winterfeldtplatz. Dann brachen die Fans in Richtung Ku'damm auf. Der Weg vom Winterfeldtplatz ist schließlich nicht weit.

In anderen deutschen Städten kam es zu einigen wenigen Ausschreitungen (siehe Beitrag hinter diesem Link).

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben