Sport : Autos, Bier und Losglück

Stefan Hermanns ist vom Ergebnis in Luzern nicht überrascht

Stefan Hermanns

Fußballfunktionäre gelten als kühle Machtmenschen, die den Sport vor allem als Mittel zum ökonomischen Zweck verstehen. Michel Platini, der Präsident des europäischen Fußballverbandes Uefa, möchte der Welt gerne ein anderes Bild von sich vermitteln: Er will als ein Mensch gesehen werden, der den Fußball liebt, dessen Tradition pflegt und nicht ans Geschäft denkt. Auf Platinis Initiative ging es zurück, dass gestern bei der EM-Auslosung von jedem bisherigen Europameister ein Spieler auf die Bühne gebeten wurde. Eine hübsche Idee. Am Ende standen drei Deutsche – Franz Beckenbauer, Bernhard Dietz und Jürgen Klinsmann – dort oben, und besser hätte man die traditionelle Dominanz der deutschen Nationalmannschaft bei diesem kontinentalen Wettbewerb gar nicht illustrieren können.

Zugegeben, zuletzt haben die Deutschen ihren guten Ruf ein wenig ruiniert. Der letzte Sieg bei einer EM-Endrunde wird im Sommer bereits zwölf Jahre zurückliegen, zweimal hintereinander sind sie in der Vorrunde ausgeschieden. Im nächsten Jahr aber sollte ihnen ein solches Schicksal erspart bleiben. Wenn man den Rest Europas fragen würde, was ihnen zu Deutschland einfalle, würde die Antwort im Moment vermutlich lauten: Autos, Bier und Losglück.

„Deutschland war nicht mein Wunschgegner“, hat Österreichs Nationaltrainer Josef Hickersberger nach der Auslosung gesagt. Umgekehrt ist es wohl umgekehrt. Ein schwächeres Team als Österreich gibt es bei der EM nicht. Hat wirklich jemand daran gezweifelt, dass Deutschland der österreichischen Gruppe zugelost werden würde? Auch der Blick über die Vorrunde hinaus stützt die Verschwörungstheorien, dass das deutsche Glück nicht normal sei. Auf Italien, den Weltmeister, auf Frankreich, den WM-Finalisten, auf die Niederlande könnten die Deutschen erst im Finale treffen. Vielleicht sollten die Italiener, Franzosen und vor allem die Niederländer, die sich wieder arg benachteiligt fühlen, die Sache lieber so sehen: Ist es nicht das wahre Glück, dass ihnen Deutschland, der ewige Angstgegner, mindestens bis zum Endspiel erspart bleibt?

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