Sport : Axel Kruse steigt aus

KLAUS ROCCA

BERLIN .Fast alle sprechen von Hertha, doch wer spricht von Axel Kruse? Der Mann, der maßgeblichen Anteil an der Rückkehr der Blau-Weißen in die höchste Fußball-Spielklasse hatte, ist der Not gehorchend schon seit einiger Zeit abgetaucht.Es spricht vieles dafür, daß er demnächst ganz untertaucht.Auf der gestrigen Pressekonferenz des Bundesligisten sprach Manager Dieter Hoeneß von einer bervorstehenden "sauberen und endgültigen Klärung".Dann fügte er hinzu: "Er wird auf jeden Fall bei Hertha bleiben.Wir werden demnächst eine Pressekonferenz mit ihm machen." Es bedarf nicht übermäßiger Phantasie, um zu schlußfolgern: Axel Kruse wird die Fußballschuhe nicht mehr schnüren, sondern ein Amt bei Hertha annehmen, wahrscheinlich das eines Jugendtrainers.

Kruse selbst wollte gestern zu den Vermutungen noch nichts sagen."Sie müssen Verständnis haben, daß ich mich dazu noch nicht äußern will", erklärte er.Und bestätigte mit dieser Äußerung die Mutmaßungen.Der 30jährige war in der letzten Saison lediglich elfmal zum Zuge gekommen.Am 4.Oktober vergangenen Jahres prallte er in Gelsenkirchen mit dem Schalker Torhüter Jens Lehmann zusammen, war minutenlang bewußtlos und erlitt eine schwere Gehirnerschütterung.Als er sich einigermaßen hochgerappelt hatte, riß die Patellasehne.

Seitdem quält sich Kruse im Spandauer Rehabilitationszentrum Biberburg."Beim Laufen habe ich weiterhin Beschwerden", gesteht der Blondschopf, einst die Stimmungskanone in der Hertha-Mannschaft.Gegen den Ball tritt er nur noch beim Spielen mit seinem Sohn.Und das auch nur mit größter Vorsicht.

Axel Kruse spielte früher in seinem Geburtsort Wolgast/Pommern, später bei Hansa Rostock, Hertha BSC, Eintracht Frankfurt, FC Basel, VfB Stuttgart und seit Juli 1996 wieder bei Hertha.Er bestritt insgesamt 141 Bundesligaspiele und erzielte dabei 30 Tore.Sein Vertrag bei Hertha läuft noch bis zum 30.Juni 1999.

Am Sonntag (18 Uhr), wenn Hertha zum Saisonauftakt auf Werder Bremen im Olympiastadion trifft, wird Kruse auf der Tribüne sitzen und seinen Noch-Mannschaftskameraden die Daumen drücken.Vom Kribbeln, das "uns alle gepackt hat" (Trainer Jürgen Röber), wird auch er nicht befreit sein.Nach sechs Wochen Vorbereitungszeit "sind wir froh, daß es nun endlich losgeht", fügte Röber hinzu.Mit den knapp 20 000 Dauerkarten sind bislang rund 40 000 Tickets für die Partie abgesetzt.Der Hertha-Trainer rechnet mit 60 000 Zuschauern.

Röbers Dilemma: "Wir wissen nicht so recht, wo wir stehen." Doch das geht anderen Klubs genauso.Beim schweren Auftakt-Programm (danach Spiele gegen Dortmund, Schalke und Kaiserslautern) ist ein Heimsieg gegen Bremen eigentlich Pflicht.Die Erinnerung an das letzte 0:2 im April dieses Jahres in Berlin gegen den SV Werder ist jedoch Warnung genug.

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