Sport : Axel Schulz bezwingt In Dortmund Julius Francis

HARTMUT SCHERZER

Sieg ohne Glanz und Gloria / Nun EM-Kampf im Mai / TV-Quote: 8,37 MillionenVON HARTMUT SCHERZER DORTMUND.Axel Schulz hat so seine eigene Philosophie vom Boxen."Doof ist, wer den Kopf hinhält." Es sei "gesünder, den Kopf wegzunehmen, sonst können wir nachher nicht mehr sprechen." Die notorischen Nörgler an seiner allzu vorsichtigen Kampfesführung belehrte der große Blonde aus Brandenburg: "Sinnlos aufeinander eindreschen, das ist nicht meine Auffassung vom Boxen." Wer unter den 7423 Zuschauern in der Dortmunder Westfalenhalle und den 8,37 Millionen (RTL-Quote in der Spitze) vor dem Bildschirm eine brutale Ringschlacht erwartet hatte mit einem spektakulären Knockout, war bei diesen beiden "Softies" unter den Schwergewichtlern auf der verkehrten Veranstaltung.Axel Schulz (101,4 kg) besiegte - ohne Niederschlag und auch ohne Glanz und Gloria - den Engländer Julius Francis (107,5 kg) über zwölf Runden sicher und souverän nach Punkten.118:111, 120:109, 118:112 werteten die drei deutschen Punktrichter.Vom Stuhl oder aus dem Sessel riß der unvermindert populäre deutsche Boxliebling indes keinen.Nur in der fünften Runde, als Francis ins Stolpern geriet, oder in der letzten, als Schulz alle Zurückhaltung aus dem Ring warf, kam richtige "Action" auf.Sonst boxte Axel Schulz wie auf Zuruf aus der Ecke (Trainer Manfred Wolke: "Geh weiter, Axel" - "Ruhig bleiben") sein Pensum unspektakulär, leicht verkrampft und ohne Klasse herunter: Wenig schlagen, viel schauen, decken und ducken."Der zweite und dritte Angriff hat gefehlt", räumte Schulz, immerhin, selbtkritisch sein.Francis (33), ein biederer Handwerker und wie Schulz (29) auch ohne Punch, fühlte sich sogar als Sieger, nachdem er sich im Spiegel betrachtet hatte."Ich habe keine Schramme, Axel aber sieht übel zugerichtet aus." Der Sieger brachte eine taubeneigroße, blaue Schwellung über dem rechten Auge zur Pressekonferenz mit.Die Beule hatte ein Ellenbogencheck in der dritten Runde verursacht.Wenn Schulz nach seinem vierten Sieg in Folge nach vorher drei verlorenen Weltmeisterschaften nicht wie ein strahlender Triumphator aussah, die vielen roten Flecken vielmehr wie Merkmale der Enttäuschung in seinem breiten Gesicht leuchteten, hat dies freilich Ursachen.Andere als nur die "Kopfwegnehmen-Philosophie".Die kurzfristige Umstellung auf einen anderen Gegner, vom Haudrauf Scott Welch auf den Techniker Julius Francis, sei "nervig" gewesen, klagte Schulz.Wolke, der seinen Schützling akribisch auf den Gegner einzustellen pflegt, vermißte daher "Schnelligkeit, Härte, Explosivität, Wirkungstreffer" gegen Francis.Nicht nur der Gegnerwechsel, sondern eine Fingerverletzung (der Nagel am rechten Zeigefinger hatte sich gelöst) habe die Vorbereitung, so Wolke, empfindlich gestört."Das soll nun keine Entschuldigung sein.Doch wenn nicht schon der Kampf Rockys ausgefallen wäre, hätte ich Axels Kampf abgesagt", erklärte Wolke und gab sich daher zufrieden: "Den Aufbaukampf taktisch sicher führen, gewinnen, abhaken und so schnell wie möglich zum nächsten Kampf übergehen."Zur neuangesetzten EM gegen Welch in zwei Monaten.Vom angestrebten vierten WM-Kampf zu reden, dazu war der Auftritt an diesem Abend keine Empfehlung."Keine Chance hätte Axel gegen Lennox Lewis", verkündete dessen Manager Frank Maloney, der auch Francis betreut.Den offiziellen Herausforderer Zeljko Mavrovic würde Lewis, der WBC-Champion, in einer Runde erledigen "und anschließend Axel Schulz noch am selben Abend".Abfälliges war auch in den hinteren Ringreihen zu hören: Von den Klitschkos.Die Ukrainer saßen auf bezahlten Plätzen (450 DM) und hatten ein "gutes Sparring ohne einen harten Schlag" gesehen.Vitali Klitschko, der ältere, erwartet, daß sich Axel Schulz, sollte er gegen Welch Europameister werden, dann ihm als offiziellen Herausforderer stellt: "Axel ist ein guter Mensch, ein guter Sportler und hat ein gutes Herz, gegen mich aber keine Chance.Axel geht k.o." So doof, dem Klitschko den Kopf hinzuhalten, wird Axel Schulz freilich nicht sein.

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