Ayrton Senna und Sebastian Vettel : Vettel: "Sennas Tod war ein riesiger Verlust für die Formel 1"

Vor 20 Jahren verunglückte die brasilianische Formel-1-Legende Ayrton Senna in Imola. Der vierfache Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel erinnert sich noch genau an den 1. Mai 1994. Er saß damals als Siebenjähriger vor dem Fernseher.

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Sebastian Vettel.
Sebastian Vettel.Foto: Imago

Herr Vettel, wann ist Ihnen Ayrton Senna zum ersten Mal aufgefallen?

Mein Vater war ein großer Senna-Fan. Er hat immer sehr viel Formel 1 angeschaut, und er hat Senna sehr bewundert. Ich selbst bin ja erst 1987 geboren, ich kann mich also an die ersten Jahre seiner Karriere logischerweise nicht direkt erinnern. Meine ersten Eindrücke kommen aus der Zeit, als ich dann anfing, zusammen mit meinem Vater die Rennen anzuschauen. Was da bei mir wirklich hängen geblieben ist, ist der Moment, als es Ayrton zum ersten Mal gelang, sein Heimrennen in Brasilien zu gewinnen.

Das war 1991.

Damals war er ja nach dem Rennen so total erschöpft, weil es so schwierig für ihn gewesen war. Er hatte fast alle Gänge in seinem Auto verloren. Man musste ihn auf dem Weg zum Podium sogar stützen – das ist so das erste Bild, das ich wirklich von ihm habe. Später habe ich dann mit meinem Vater zusammen fast alle Rennen angeschaut, auch das in Imola 1994, dieses schlimme Wochenende, schon mit dem Tod von Roland Ratzenberger am Samstag, der ja oft ein bisschen vergessen wird.

Sie haben den Unfall vor 20 Jahren live gesehen?

Ja. Aber als Kind, mit sieben Jahren, ist es sehr schwierig, sofort zu begreifen, was da wirklich passiert. Später, wenn man zurückschaut, dann erinnert man sich ja oft ganz genau daran, was man in so einschneidenden Momenten getan hat, wo man war, wie man reagiert hat. Aber ich glaube, weil ich noch so jung war, weiß ich es nicht mehr so genau, ob ich zum Beispiel nach dem Rennen rausgegangen bin, um mit Freunden zu spielen, oder nicht.

Woran erinnern Sie sich noch?

Ich weiß noch, dass ich lange mit meinem Vater vor dem Fernseher saß. Dass nicht klar war, was ihm nun wirklich passiert war, und ich hoffte, dass er vielleicht doch nur verletzt ist. Ich glaube auch, dass mein Vater schon mehr verstanden und gewusst hat, aber es mir auch nicht so direkt sagen wollte. Sennas Tod war natürlich ein riesiger Verlust für die Formel 1, aber gleichzeitig begann damals ja dann auch der große Aufstieg von Michael Schumacher so richtig, der erste richtig erfolgreiche deutsche Fahrer in der Formel 1 seit ewigen Zeiten. Damit hat sich unsere gemeinsame familiäre Unterstützung dann halt fast logischerweise ihm zugewandt.

Haben Sie mit Schumacher dann später einmal über Senna gesprochen?

Ehrlich gesagt, nein, mit Michael nicht. Aber ich habe sehr viel mit einigen Ingenieuren gesprochen, die früher mit Senna gearbeitet haben. Mit anderen Fahrern über so ein Thema zu sprechen, das bringt gar nicht so viel, wir haben ja gar nicht die Zeit und die Möglichkeit, unsere Konkurrenten so genau zu beobachten und kennenzulernen. Ingenieure, die in gewisser Weise in der zweiten Reihe stehen und mit einem Fahrer arbeiten, die bekommen da viel mehr mit.

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