Babbel, Ebert, Ben-Hatira : Ein Trainer, zwei Spieler und eine Taktikdiskussion

Herthas Trainer Markus Babbel wirft Patrick Ebert und Änis Ben-Hatira taktische Defizite vor – und hofft auf Einsicht bei den Spielern.

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Markus Babbel redet auf Patrick Ebert ein. Und der zeigt sich offenbar einsichtig.
Markus Babbel redet auf Patrick Ebert ein. Und der zeigt sich offenbar einsichtig.Foto: dpa

Berlin - Dem Spieler aus der U 23 von Hertha BSC stand die Anstrengung ins Gesicht geschrieben, die schweißnassen Haare klebten ihm an der Stirn. Er hatte eine harte Trainingseinheit hinter sich, nachdem Markus Babbel den Mittelfeldspieler kurzfristig von der U 23 zu den Profis befördert hatte. „Wir sind ja dafür bekannt, dass wir der Jugend eine Chance geben“, sagte Herthas Cheftrainer. In Wirklichkeit hat der Leihspieler aus der eigenen Amateurmannschaft den Status der Jugend schon lange hinter sich. Er ist 36 Jahre alt, hat 199 Bundesligaspiele bestritten – und heißt Andreas Neuendorf. Weil Babbel gestern ein Spieler für ein Trainingsspiel Elf gegen Elf fehlte, erinnerte er sich an Neuendorf, den alle nur Zecke nennen. Schon vor einem Jahr war er ihm eine große Hilfe gewesen, als Hertha in einem Anflug von herbstlicher Depression einen Muntermacher benötigte. „Zecke hat das nicht nur verdient, wenn es schlecht läuft, sondern auch wenn es mal nicht ganz so schlecht läuft.“

Nicht ganz so schlecht – Patrick Ebert, 24, und Änis Ben-Hatira, 23, wären vermutlich froh, wenn sie das von ihrer aktuellen Situation behaupten könnten. Am Wochenende wurden sie von Trainer Markus Babbel aus dem Kader für das Spiel beim VfL Wolfsburg gestrichen. Es wäre also durchaus interessant zu erfahren, was sie, mit ein paar Tagen Abstand, von dieser Maßnahme halten. Doch die beiden offensiven Mittelfeldspieler des Berliner Fußball-Bundesligisten zogen es auch am Mittwoch vor, zu schweigen.

Da guckst du. Änis Ben-Hatira muss sich bei Hertha neu beweisen.
Da guckst du. Änis Ben-Hatira muss sich bei Hertha neu beweisen.Foto: dapd

Immerhin: Die Botschaft scheint bei Ebert und Ben-Hatira angekommen zu sein. „Man erkennt schon, dass sie gewillt sind, dass die Verbannung eine einmalige Sache bleibt“, sagt Babbel über die Reaktion der beiden Ausgestoßenen. Am Dienstag blieben sie nach dem Trainingsende sogar freiwillig noch für ein paar Übungen mit dem Konditionstrainer auf dem Platz. „Das freut mich“, sagte Babbel.

Ebert und Ben-Hatira machten freiwillig nach dem Training Konditionsübungen

Dabei waren es eben gerade keine körperlichen Defizite, die Herthas Trainer in der vergangenen Woche zu seiner vergleichsweise drastischen Erziehungsmaßnahme bewogen haben. Babbel will sich nicht im Detail zu den Gründen äußern. Nur so viel: „Sie müssen in ihrer ganzen Art und Weise anders auftreten. So wie sie in den vergangenen Wochen gespielt haben, bringen sie uns nicht weiter. Im Gegenteil: Es kann für uns gefährlich werden. Selbst Bayern München braucht eine Ordnung.“

Hertha BSC beim VfL Wolfsburg in Bildern
Bereits in 26. Spielminute sorgte Raffael (r.) für die 1:0-Führung.Weitere Bilder anzeigen
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29.10.2011 16:38Bereits in 26. Spielminute sorgte Raffael (r.) für die 1:0-Führung.

Im Klartext bedeutet das: Ebert und Ben-Hatira haben nicht einfach nur schwach gespielt, sie haben sich vor allem nicht an taktische Vorgaben gehalten. Mit jugendlichem Leichtsinn will Babbel ihr Versäumnis nicht entschuldigen. „Sie sind ja schon ein bisschen länger dabei“, sagt er, „und sie sollten versuchen, die Hilfe, die man ihnen bietet, umzusetzen.“ So wie es ihr Kollege Raffael getan hat, der von Babbel auch schon mal in aller Öffentlichkeit angezählt wurde. Inzwischen tritt der Brasilianer genauso auf, wie sein Trainer es von ihm erwartet: mit sehr viel mehr Engagement in der Abwehrarbeit nämlich. „Er kann es“, sagt Babbel. „Raffael hat ein sehr gutes Zweikampfverhalten in der Defensive, und sein Spiel wird dadurch besser.“

Eine ähnliche Entwicklung erhofft er sich auch von Patrick Ebert und Änis Ben-Hatira. Denn das allein war Babbels Intention, als er beide aus dem Kader strich: dass sie besser werden und damit auch die Mannschaft besser machen. Es ging ihm jedenfalls nicht darum zu zeigen, „dass ich ein harter Hund bin“.

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