Babbels Team : Hertha ist schlampig effektiv

Herthas Trainer Markus Babbel weiß auch nach einem perfekten Saisonstart in der Zweiten Liga um die Defizite in seiner Mannschaft.

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Gut gezielt. Rob Friend brachte Hertha in Führung. Wegen der wackeligen Defensive wurde es am Ende noch spannend.
Gut gezielt. Rob Friend brachte Hertha in Führung. Wegen der wackeligen Defensive wurde es am Ende noch spannend.Foto: dpa

Im Grunde empfindet Hertha BSC die Zugehörigkeit zur Zweiten Liga als eine einzige Zumutung, doch im Einzelfall kann einem selbst die Zweite Liga kleine Momente des Glücks bescheren. Der Brasilianer Raffael jedenfalls machte nach dem 2:1 (2:0)-Erfolg der Berliner bei Fortuna Düsseldorf ein ganz beseeltes Gesicht. Raffael ist von seinem Trainer Markus Babbel zum besten Fußballer der Zweiten Liga ernannt worden, aber in der Arena am Rhein musste der fast 70 Minuten auf sein Debüt in der neuen Klasse warten. Groll oder Ärger? „Ich habe mich gefreut, dass ich eingewechselt wurde“, sagte der Brasilianer. Und überhaupt: „Es war das erste Mal, dass ich mit meinem Bruder zusammengespielt habe.“ Der Zweiten Liga sei’s gedankt.

Raffael und sein Bruder Ronny kamen weit nach ihren Kollegen vom Platz. Sie lachten, Raffael hatte sich seines Trikots entledigt, und so stand er da mit blankem Oberkörper. Auf den ersten Blick hätte man meinen können, es gäbe wer weiß was zu feiern. Die gute Laune der Brasilianer aber stand im scharfen Kontrast zur allgemeinen Nüchternheit bei den Berlinern. Zwei Spiele, zwei Siege, dazu das Weiterkommen im Pokal – Hertha BSC hat den perfekten Start in die neue Saison erwischt, aber für Babbel war der Sieg in Düsseldorf nicht mehr als „ein kleiner Schritt in die richtige Richtung“.

Niemand hat gewusst, wie sich die Berliner in ihrem neuen Umfeld zurechtfinden würden. Die Optimisten hatten prophezeit, dass die Mannschaft mal eben über die Konkurrenz hinwegfegen würde, die Skeptiker fürchteten eher eine schwierige Eingewöhnung. Nach zwei Spielen kann man feststellen: Beide haben recht. Hertha tut sich schwer, aber Hertha gewinnt, und das schon fast mit einer gewissen Selbstverständlichkeit. „Drei Punkte sind drei Punkte“, sagte Mittelfeldspieler Fanol Perdedaj, nachdem Hertha Fortunas Serie von 20 Heimspielen ohne Niederlage beendet hatte.

Dass die Berliner die Begegnung nach zähem Beginn mit ihrem ersten Torschuss in die richtigen Bahnen lenkten, ist auch eine Qualität. Rob Friend traf nach einem Freistoß zum 1:0. „Ein Tor nach einer Standardsituation. Das freut mich natürlich“, sagte Babbel. „Das trainieren wir.“ Wenn es spielerisch nicht läuft, kann die Mannschaft auch auf brachialere Mittel zurückgreifen. So wie in Düsseldorf. „Die Effektivität war heute der Unterschied“, sagte Fortunas Trainer Norbert Meier. Zwischen der 25. und der 30. Minute schossen die Berliner drei Mal aufs Düsseldorfer Tor, dann führten sie 2:0.

Die Ergebnisse verschaffen Babbel eine gewisse Ruhe, um weiter an den Details zu arbeiten. Die Abwehr wirkte anfangs erneut nicht sicher, und im Spielaufbau fehlte der Fluss. Mit Raffael drängt nun immerhin eine hochklassige Alternative ins Team. Andererseits hat Waleri Domowtschiski als sein Vertreter in zwei Spielen zwei Tore erzielt. „Das ist nur scheinbar ein Problem“, sagte Manager Michael Preetz. „Es ist doch eine wunderbare Situation, dass der Trainer Möglichkeiten hat.“

Allein den Namen nach steht Hertha deutlich über dem Rest der Liga; doch Babbel hat immer darauf hingewiesen, dass Qualität alleine nicht reichen werde. Nach dem Sieg in Düsseldorf schimpfte er über den Auftritt seiner Mannschaft in der ersten Hälfte: „Wir sind nur hinterhergelaufen, haben unheimlich schlampig gespielt und viele Ballverluste gehabt.“ Babbels Fundamentalkritik passte zu seiner bisherigen Linie, und doch wirkte sie ein bisschen überzogen. Insgeheim wissen sie natürlich auch bei Hertha, dass die Gesamtsituation besser ist, als viele befürchtet hatten. „Es ist immer angenehmer, an den Fehlern zu arbeiten, wenn die Ergebnisse stimmen“, sagte Preetz. Den umgekehrten Fall kennt er aus dem vergangenen Jahr. Da hatte die Mannschaft am Ende der Hinrunde sechs Punkte – genauso viele wie jetzt nach dem zweiten Spieltag. Der Zweiten Liga sei’s gedankt.

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