Sport : Babelsberg 03: Bloß keine Glückwünsche

Andre Görke

Die Vorstellung ist geradezu absurd. Seit Wochen steht der Fußball-Regionalligist Babelsberg 03 nun schon auf einem Aufstiegsplatz in die Zweite Bundesliga. Am vorletzten Spieltag haben die Potsdamer auch bei Verfolger Preußen Münster 3:2 (1:1) gewonnen. Kommenden Sonnabend kommt mit Fortuna Düsseldorf eine Mannschaft ins Karl-Liebknecht-Stadion, die bereits so gut wie abgestiegen ist. Einen einzigen Punkt benötigen die Babelsberger noch. Und doch weigert sich Babelsbergs Präsident Detlef Kaminski strikt, irgendwelche Glückwünsche anzunehmen. "Es bleibt dabei: Wir wollen und können aufsteigen", sagt Kaminski. "Nur, wir sind es eben noch nicht."

Es war ein dramatischer 3:2-Sieg in Münster. Babelsberg kassierte nach einer halben Stunde den Rückstand, glich kurz vor der Pause durch Mittelfeldspieler Björn Laars aus, doch nach 67 Minuten lag Babelsberg durch ein Eigentor von Martino Gatti wieder 1:2 hinten. Zehn Minuten waren im Preußen-Stadion noch zu spielen. Fortuna Köln war zu diesem Zeitpunkt an Babelsberg vorbeigezogen, es führte zeitgleich 2:1 in Düsseldorf und hatte das bessere Torverhältnis. Doch dann erzielte der überragende Torjäger Marco Küntzel (25) in den letzten Minuten die entscheidenden beiden Tore. Babelsberg 03 lag wieder drei Punkte vor Köln auf dem zweiten Tabellenplatz.

"Aber ehrlich gesagt, ich habe keine Angst mehr, dass etwas schief gehen könnte", sagt Kaminski. "Wir werden seit Wochen spielerisch immer besser. Die Mannschaft ist gefestigt." Da sei es auch kein Problem, sich gegen den Tabellenfünfzehnten aus Düsseldorf zu motivieren.

Für Torjäger Marco Küntzel wird es das letzte Spiel für Babelsberg 03 sein. Er hat vor einigen Wochen beim Bundesligaaufsteiger Borussia Mönchengladbach einen Dreijahresvertrag unterschrieben. Aus Finanznöten haben ihn die Babelsberger aber nicht ziehen lassen. "Wir dürfen einem Spieler nicht die Chance nehmen, wenn er die Möglichkeit hat, in der Bundesliga zu spielen", sagt der Präsident. Küntzel hatte eine Ausstiegsklausel im Vertrag, die besagt, dass er bei einer Zahlung einer festgelegten Ablösesumme den Verein verlassen darf. Schon im vergangenen Jahr hatte Babelsberg seinen besten Stürmer ziehen lassen müssen. Hendryk Lau, mit 16 Treffern Torschützenkönig der Regionalliga, wechselte zum Dresdner SC. "Da haben alle gesagt, dass wir Hendryk Lau nicht ersetzen können", sagt Kaminski. "Und was ist? In diesem Jahr sind wir sogar noch besser."

Nach dem letzten Spiel gegen Fortuna Düsseldorf steigt die Feier mit den Fans im Karl-Liebknecht-Stadion. "Saisonabschlussparty", sagt Kaminski. "Aufstiegsfeier" könne man sie auch kurzfristig nennen. Die 500 Anhänger, die nach Münster reisten, kommen kostenlos ins Stadion. Und da eine Brauerei in der neuen Saison als Sponsor einsteigt, wird es bestimmt auch ein paar Liter Freibier geben. "Und dann", sagt Kaminski, "dann fahre ich zwei Wochen in den Urlaub. Ich gehe tauchen." Das hat seinen Grund: "Denn unter Wasser, da funktioniert wenigstens mein Handy nicht."

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