Sport : Babelsberg 03: Hansestadt Babelsberg

Andre Görke

Diese Monate müssen seinerzeit weh getan haben. Slawomir Chalaskiewicz war 1995 mit Hansa Rostock in die Erste Fußball-Bundesliga aufgestiegen. Stammspieler war er gewesen. Nach dem Aufstieg aber wurde er nur noch eingewechselt. Das Karriereende kam auf Raten. Im Sommer 1998 wurde Chalaskiewicz beim FC Hansa gar nicht mehr gebraucht.

Heute spielt der Pole immer noch Fußball, mit knapp 38 Jahren. In Potsdam beim Zweitligaklub Babelsberg 03. Die Liste derer, die bei Hansa Rostock nicht glücklich wurden und nach Potsdam gingen, ist lang: Sieben ehemalige Hansa-Spieler kicken mittlerweile in Babelsberg. Chalaskiewicz war der Pionier. Er wechselte 1999 nach einem kurzen Gastspiel in Jena und Lodz nach Potsdam. Mit ihm kam Marco Laaser, ein weiterer Rostocker. Ein Jahr später unterschrieben die Hansa-Spieler Björn Laars und Enrico Röver. In diesem Sommer nun verließen Christian Henning, Thomas Möller und Lars Kampf die Hansestadt und zogen in die Rostocker Filiale nach Babelsberg. Von den ehemaligen Rostockern ist Chalaskiewicz mit 108 Zweitligaspielen der erfahrenste. Die anderen sechs kommen zusammen auf 16 Einsätze.

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Bei Hansa haben sie nie wirklich eine Chance bekommen. Dort haben sie in der Woche bei den Profis mittrainiert. Am Wochenende aber mussten sie im Amateurteam des Bundesligisten spielen. In der viertklassigen Oberliga Nordost. "Den Sprung zu den Profis hat uns niemand zugetraut", sagt Manndecker Christian Henning. Hansa Rostock hat vor kurzem ein Fußballinternat aufgebaut. Die Jugend soll gefördert werden. "Wir haben uns immer gedacht: Wenn wir mit den Amateuren erfolgreich sind, dann ist es zu den Profis nicht mehr weit", sagt Henning. Lange haben sie das gedacht, sagt er. Irgendwann aber "da haben wir gemerkt, dass es nicht mehr weitergeht". Sein Vertrag lief aus. Er war ablösefrei. Babelsberg griff zu.

Lars Kampf hat von den ehemaligen Rostockern bislang am wenigsten Spiele für die Babelsberger bestritten. Am vergangenen Wochenende wurde er das erste Mal eingewechselt, da stand es 2:0 für Union. Kampf schoss zwei Tore, Babelsberg gewann am Ende 3:2. Für das Boulevard war er das Objekt. "Lars hat sich erschrocken, als er mit nacktem Oberkörper auf der Titelseite war", sagt Babelsbergs Manager Oskar Kosche. Dem Stürmer wurde ein Interviewverbot verhängt, damit er Ruhe hat.

In Babelsberg sind sie zufrieden mit den Rostocker Spielern. Sie waren alle ablösefrei. Und sie wollen beweisen, dass sie bei Hansa zu Unrecht keine Chance mehr bekommen haben. Chalaskiewicz ist in Potsdam Leistungsträger. Laars, Röver und Henning haben alle vier Spiele der Saison bestritten. Nun stehen sie mit Babelsberg auf dem dritten Platz der Zweiten Liga. "Ich kann Fußball spielen", sagt Enrico Röver. "Das wusste ich immer." Morgen spielt er im Pokal gegen Hertha BSC (19.30 Uhr, Karl-Liebknecht-Stadion). Röver freut sich auf zwei alte Kollegen. Als er 1997 bei den Profis mittrainierte, spielten da noch Marko Rehmer und Stefan Beinlich für Hansa. Die beiden Herthaner sind Nationalspieler geworden. Und Röver? "Ich saß bei Hansa sechsmal auf der Ersatzbank", sagt er.

Babelsberg, behauptet Manager Kosche, "ist für die Spieler ein Sprungbrett". Marco Küntzel sei so ein Beispiel. Er spielt jetzt in Mönchengladbach. Eine Kooperation haben sie jedenfalls nicht mit Hansa. Und die sieben Spieler? "Zufall", sagt Kosche. Aber sie arbeiten gerne mit Rostock zusammen. Am nächsten Freitag, da kommt Hansa zum Testspiel nach Potsdam. "Mal ehrlich", sagt Kosche. "Wir haben die Rostocker ihr Internat bauen lassen, damit die Spieler nach der Ausbildung zu uns wechseln", sagt Kosche. Es war ein Scherz.

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