Babelsberg droht Zwangsabstieg : Ein paar Affären zu viel

Weil eineinhalb Millionen Euro fehlen, steht Fußball-Drittligist SV Babelsberg vor dem Zwangsabstieg. Hoffnung auf eine Rettung gibt es wohl nicht mehr.

von und Henner Mallwitz,Michael Erbach

Die Atmosphäre im Karl-Liebknecht-Stadion von Potsdam-Babelsberg hatte am Dienstag etwas Gespenstisches. Es herrschte Totenstille, so richtig reden wollte keiner. Es schien, als habe schon die Trauer über eine zu Ende gehende Zeit begonnen. Der SV Babelsberg 03 steht mit seiner Fußballmannschaft in der Dritten Liga vor dem Abgrund.

Am Morgen hatte Vereinspräsident Rainer Speer den „Potsdamer Neuesten Nachrichten“ bestätigt, dass es dem Verein nicht gelungen sei, den notwendigen Etat für eine weitere Saison in der Dritten Liga zusammen zu bekommen. Der nötige Gesamtetat von 2,7 Millionen Euro sei allenfalls zur Hälfte gedeckt – knapp 1,5 Millionen müsse der Verein bis zum 1. Juni noch aufbringen. Einige Sponsoren haben sich allerdings zurückgezogen – und dies unter anderem mit den zahlreichen Berichten über Affären im Umfeld des Vereins begründet.

Andere Geldgeber nahmen die Einsetzung des Untersuchungsausschusses im Landtag – der sich sowohl mit Grundstücksverkäufen als auch mit Sportsponsoring befasst – zum Anlass, ihre Engagement zu beenden. Und nicht zuletzt überdachten mehrere Sponsoren ein weitere Unterstützung nach den Spionagevorwürfen gegen Potsdams Stadtwerke-Chef Peter Paffhausen, er trat Ende vergangener Woche zurück. Paffhausen, dessen Stadtwerke den SV Babelsberg 03 jährlich mit rund 350 000 Euro unterstützten, ist inzwischen auch als Aufsichtsratsvorsitzender des Vereins zurückgetreten.

In den folgenden Tagen will der SVB 03 nun alles daransetzen, eine erneute Insolvenz abzuwenden. Die würde vermutlich zur Auflösung des Vereins führen. Bis zum 1. Juni bleibt den Babelsbergern noch Zeit, um den Etat vorzuweisen, ansonsten droht der Lizenzentzug durch den Deutschen Fußball-Bund (DFB) und der Zwangsabstieg in die Regional- oder gar Oberliga.

Der DFB wollte sich gestern nicht zum laufenden Lizenzverfahren äußern. Bereits am 1. März hatten die Babelsberger ihre Bewerbung für die Drittligalizenz beim DFB eingereicht. Darin war unter anderem ein Nachweis der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit enthalten. Dazu gehören auch Gewinn- und Verlustrechnungen für das abgelaufene Spieljahr, ein Wirtschaftsprüfungsbericht und ein Lagebericht des Vorstandes.

Das Karl-Liebknecht-Stadion, in dem auch der Frauenfußball-Bundesligist Turbine Potsdam seine Heimspiele austrägt, wird derzeit für acht Millionen Euro saniert. Auf den Einbau einer Rasenheizung wurde aus finanziellen Gründen verzichtet. Würde der SVB als Pächter künftig ausfallen, müsste die Stadt für den Unterhalt aufkommen – und der beträgt pro Jahr ungefähr eine Million Euro.

Trainer Dietmar Demuth und seine Spieler zeigten sich von der plötzlichen Entwicklung geschockt. „Für die Mannschaft würde das bedeuten, dass man uns im Stich gelassen hat“, sagte Mannschaftskapitän Marian Unger. Erst am vergangenen Samstag hatten die Babelsberger noch den Landespokalsieg gefeiert. „Da war nichts davon zu ahnen, dass es dem Verein nicht gut geht.“ Viele in der Mannschaft wollen sich nun auf die Suche nach einem neuen Arbeitgeber machen.

Hoffnung auf eine Rettung gibt es nicht mehr. Klubpräsident Rainer Speer sagte: „Ich sehe keine Chance, die Dritte Liga zu halten.“

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