Sport : Babypause im Weltcup

Biathlet Raphaël Poirée sucht sportlichen Rat bei der Ehefrau

Ernst Podeswa

Ruhpolding. „Raphaël – simply the best“, verkündet ein bemaltes Tuch an der Strecke in Ruhpolding. Und irgendwie fühlt sich Raphaël Poirée dann heimisch. „Meine Lieblingswettkämpfe sind die in Ruhpolding und Oslo. Das ist Poirée-Land", sagt er. Der 28-jährige Biathlet aus Frankreich hat gleich zum Auftakt des Biathlon-Weltcups bewiesen, dass er derzeit der Schnellste ist im Kreise der Skijäger. Als Schlussläufer des französischen Quartetts holte er den führenden Ricco Groß nicht nur ein, sondern lief dem Deutschen anschließend auch noch davon.

Poirée wurde schon zuvor in Oberhof beim Massenstart über 15 km Dritter, was bei den vier Strafrunden, die er laufen musste, ein beachtliches Resultat war. Vierfach-Olympiasieger Ole Einar Björndalen (Norwegen) siegte und lag bei nur zwei Strafrunden gerade mal 19 Sekunden vor ihm. Diese Rangfolge änderte sich auch gestern in Ruhpolding im 10-km-Sprint nicht: Erster Björndalen, Dritter Poirée. Bester Deutscher war Routinier Frank Luck als Neunter.

„Raphaël Poirée läuft wunderbar locker und rhythmisch. Er ist konstant wie kein Zweiter“, lobt Peter Sendel, Mitglied der deutschen Silberstaffel vor zwölf Monaten in Salt Lake City. Ein brillanter Läufer, ein guter Schütze, ein Muster an Beständigkeit, dreimal Weltcup-Gesamtgewinner, 23-mal Erster in Weltcuprennen: Doch den olympischen Goldschatz hob komplett Ole Einar Björndalen. „Ole Einar war in diesen zwei Wochen einfach unschlagbar“, sagt Poirée. Für ihn blieb olympisches Silber in der Verfolgung und Bronze mit der Staffel. Poirée registriert Nachteile gegenüber Norwegern, Deutschen und Russen. „Die haben viel mehr Geld für Biathlon zur Verfügung und werden professionell unterstützt.“

Der Ästhet auf Skating-Skiern hat aber auch einen kompetenten Berater an der Seite. Jemand, der vom Biathlon kaum weniger versteht: Liv Grete Skjelbreid (28), seit anderthalb Jahren Frau Poirée. Die Weltmeisterin aus Norwegen gilt als „Miss Biathlon", sie ist hübsch, charmant, intelligent – und sportlich Extraklasse. Sie kenne sich in der Trainingsmethodik aus und „kann mich unglaublich motivieren", sagt Raphaël Poirée. Am 26. Januar erwartet das französich-norwegische Traumpaar sein erstes Baby. Was nicht ohne Einfluss auf den Weltcup bleiben wird. „Sobald ich ein Signal bekomme, dass es so weit ist, lasse ich alle Weltcups sausen“, sagt der werdende Vater.

Poirée kam durch die Anregung seines Großvaters als 15-Jähriger zum Biathlon. Als Talisman trägt der vierfache Weltmeister stets einen kleinen Schneeball aus Gold um den Hals. Doch auf solche Glücksbringer allein verlässt er sich nicht. Poirées Credo als Sportler lautet: „Jeder wird mit unterschiedlichen Voraussetzungen für den Sport geboren - aber jeder kann darum kämpfen, stärker und besser zu werden.“

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