Sport : Back to Berlin

Wie die Handball-Füchse wieder in die 1. Bundesliga wollen

Klaus Rocca

Erst kommt der THW Kiel, dann der VfL Gummersbach – und dann kommen schon die Reinickendorfer Füchse. Zumindest in der Umfrage, die Thomas Gloth beim kürzlichen Länderspiel in Berlin gegen Island in der Max-Schmeling-Halle und im Internet durchgeführt hat. Gefragt wurde nach dem Bekanntheitsgrad mehrerer Handballklubs. „Wir bekamen 450 Antworten, die meisten natürlich aus Berlin“, relativiert Gloth. Kiel und Gummersbach spielen bekanntlich in der höchsten Spielklasse, die Füchse mussten diese 1986 verlassen und haben seitdem nie wieder Erstbundesliga-Luft geschnuppert. Das soll bald anders werden. „Back to Berlin – Handball-Bundesliga“, heißt das Konzept, mit dem Gloth die Nordberliner bis 2005 in die 1. Bundesliga hieven will.

Gloth weiß, wovon er spricht. Er selbst spielte einst, so wie derzeit die Füchse, in der 2. Bundesliga, trainierte später die Erstligisten Gummersbach, Großwallstadt, Fredenbeck und Bad Schwartau. Und die in Buxtehude ansässige Firma „Expergo“, deren Geschäftsführer er ist, hat sich bereits seit 15 Jahren in der Bundesliga engagiert.

Nun will Gloth, der gerade in Berlin mit den Füchsen eine mündliche Vereinbarung getroffen hat und demnächst einen Vertrag (auf Erfolgsbasis) unterschreiben wird, also als Vermarkter und Berater der Reinickendorfer tätig werden. „Berlin ist ein erstklassiges Pflaster für erstklassigen Handball. Nun gilt es, bei der Sponsorensuche, im Merchandising und bei der PR-Arbeit professionell zu Werke zu gehen“, sagt der 44-Jährige.

Dass Bundestrainer Heiner Brand und Nationalspieler Stefan Kretzschmar kürzlich kundtaten, sich für Erstliga-Handball in Berlin stark zu machen, hat Gloth Mut gemacht. „Gerade Stefan Kretzschmar ist ein Riesen-Aushängeschild für Handball. Er könnte einiges bewegen, wenn sein Vertrag in Magdeburg in einem Jahr ausläuft.“

Erst einmal gilt es, weitere Sponsoren zu gewinnen. Während die Füchse in dieser Saison mit einem Mini-Etat von 150000 Euro auskommen mussten, kalkuliert man für die kommende Saison mit 350000 Euro. „Wir wollen und können nicht die ganze Mannschaft umkrempeln. Wenn wir drei Spitzenleute holen können, müsste 2004 schon ein Mittelfeldplatz herausspringen“, sagt Thomas Micheli, früher Bundesligaspieler und zurzeit Sportlicher Leiter. In der Saison 2004/2005 sollen weitere Topleute verpflichtet werden, mit denen der Aufstieg dann angepeilt werden soll.

In den nächsten Tagen wird, durch Vermittlung des Handball-Verbandes Berlin, ein runder Tisch potenzielle Sponsoren zusammenführen. Einer von ihnen ist der Chirurg Ulf Zierau. „Zuvor war ich Sponsor des SC Magdeburg. Seit einiger Zeit unterstütze ich aber die Füchse, weil ich hier gute Nachwuchsarbeit und den Trend zu professioneller Arbeit sehe“, sagt Zierau. Er hat auch bereits in Aussicht gestellt, im Falle des Aufstiegs gemeinsam mit einem Kollegen die Füchse unentgeltlich medizinisch zu betreuen.

Auch Willi Bendzko, der Immobilienmakler, schließt ein finanzielles Engagement nicht aus. „Zugpferd werde ich nicht sein, aber wenn ich etwas für den Handball tun kann, mache ich es“, sagt Bendzko. Er war zu Bundesligazeiten der Hauptsponsor der Füchse. Als er sich zurückzog, ging es mit ihnen bergab.

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