Sport : Bad Coach

Benedikt Voigt

wundert sich über Chelseas Trainer José Mourinho Die englische Premier League, das weiß man spätestens seit den Neunzigerjahren, zieht böse Spieler an. Eric Cantona demonstrierte mit einem Kung-Fu-Sprung in die Zuschauerränge seinen Anspruch auf den Titel als Bad Boy, Vinnie „The Axe“ Jones gesellte sich durch ein unter dem Ladentisch gehandeltes Video seiner brutalsten Fouls dazu, und Paul Gascoigne bestand seine Aufnahmeprüfung für den Kreis der Bösewichte, als er während einer Asien-Reise die Inneneinrichtung eines Passagierflugzeugs auseinander nahm. Ihm soll das Fernsehprogramm nicht gepasst haben. Inzwischen besitzt die Liga aber auch einen bösen Trainer: José Mourinho.

Der Trainer des FC Chelsea legt sich mit jedem an. Mit dem deutschen Schiedsrichter-Obmann Volker Roth, dem er mit Klage droht, weil dieser ihn „Feind des Fußballs“ genannt hatte. Mit dem Schiedsrichter Anders Frisk, den er auffordert, die wahren Gründe seines Rücktritts zu nennen. Als ob die Morddrohungen gegen dessen Familie, die Mourinho indirekt zu verantworten hat, nicht ausreichen würden. Mit den Liverpooler Fans, vor deren Kurve er demonstrativ einen Finger vor den Mund legte. Und mit der Presse. „Sie glauben, Sie sind ein böser Bube“, sagte er einem Reporter, „aber ich kann auch ein böser Bube sein“. Mourinho aber ist nicht nur böse, der Champions-League-Sieger ist auch arrogant. Er sagt: „Sir Alex Ferguson ist der einzige europäische Meister in diesem Land, niemand sonst – also, was muss ich beweisen?“ Vielleicht, dass es die Premier League mit ihm länger aushält als nur eine Saison.

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