Sport : Baden erlaubt

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Benedikt Voigt über Ian Thorpes bedenkliche Olympiaqualifikation

Wenn alles normal läuft, wird der Schwimmer Ian Thorpe am Abend des 14. August in Athen eine Goldmedaille umgehängt bekommen. Es wird die Belohnung sein für seinen Sieg bei den Olympischen Spielen über 400 Meter Freistil. Der Australier hält auf dieser Strecke den Weltrekord, Weltmeister und Olympiasieger ist er auch schon über diese Distanz. Sein Sieg wäre keine Überraschung – und trotzdem nicht gut für den Sport.

Die Art, wie er sich für die Olympischen Spiele qualifizierte, entspricht nicht dem sportlichen Geist. Ian Thorpe hat sich einen Fehler geleistet, als er bei der australischen Olympia-Qualifikation baden ging. Nach einem Fehlstart, bei dem der 21-Jährige vom Startblock plumpste, musste er ausgerechnet auf seiner Spezialstrecke disqualifiziert werden. Eine harte Regelung für Thorpe, eine Tragödie für Australien, aber eben ein Fehler, wie er im Sport passieren kann. Gestern nun verzichtete der Zweitplatzierte Craig Stevens nach wochenlangem öffentlichen Druck auf seinen Olympia-Startplatz über 400 Meter und ließ sich die Ankündigung seiner Entscheidung in einer Fernsehsendung vom Sender „Channel Seven“ entlohnen. Mit umgerechnet 37000 Euro und einem Jahresvertrag als journalistischer Mitarbeiter. Der australische Schwimmverband hatte für diesen Fall schon vorgearbeitet. Er änderte die Statuten, damit nicht der Drittplatzierte nachrückt – sondern Ian Thorpe.

Das aber widerspricht dem Wesen des Sports, der seine Faszination aus seiner Unvorhersehbarkeit bezieht. Wer Druck ausübt oder Regeln nachträglich ändert, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen, hat davon nichts verstanden.

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