Badminton : In China unerwünscht

Juliane Schenk ist offenbar zu erfolgreich. Sogar die Chinesen, die die Sportart deutlich dominieren, sehen sie als Gefahr für Olympia.

Bernd-Volker Brahms
Schenk
Auf gutem Weg. Juliane Schenk gilt als deutsche Hoffnung für die Olympischen Spiele in Peking. -Foto: dpa

Berlin - Juliane Schenk wollte sich unbedingt verbessern, warum also nicht mit den Besten spielen? Für zwei Monate wollte die Badmintonspielerin ins Trainingslager nach Schanghai, denn die Chinesen sind in ihrem Sport eine Klasse für sich. „Das Flugticket hatte ich schon“, erzählt Schenk. Dann kam jedoch eine Nachricht aus Peking: Sie sei derzeit nicht in China willkommen. Nach den Olympischen Spielen könne sie gerne kommen und mittrainieren, ließ man ihr mitteilen. Bis dahin jedoch nicht.

Aus der Absage hat die 25-Jährige ihren eigenen Schluss gezogen. „Ich habe es als ein Respektsbekundung für meine Leistung interpretiert.“ In Deutschland ist sie hinter der gebürtigen Chinesin Xu Huaiwen aus Bischmisheim die Zweitbeste. In der Bundesliga spielt die Krefelderin für Empor Brandenburger Tor Berlin, mit dem sie am Samstag gegen den VfL Hamburg spielt (14 Uhr, Samariterstraße).

Wenn sie schon nicht ins Trainingslager nach Schanghai darf, dann fährt sie eben gleich nach Peking. Die Olympischen Spiele 2008 sind ihr großes Ziel. Dafür ist für die junge Deutsche allerdings mehr als nur Kampfeswille erforderlich. „Die Latte hängt sehr hoch“, sagt Juliane Schenk, die am Stützpunkt in Mülheim bei Bundestrainer Detlef Poste trainiert. Mindestens Platz 16 der Weltrangliste muss sie Ende April 2008 belegen, um als zweite deutsche Spielerin im Feld vertreten zu sein. Derzeit wird sie auf Rang 17 geführt. Der siebenfache Deutsche Meister Björn Joppien (Langenfeld) hat es da einfacher, er muss nur bester Deutscher in der Weltrangliste sein und wird vermutlich sogar mit seinem derzeitigen Platz 36 noch mitgenommen.

Den Chinesen wäre es sicher lieber, wenn Schenk sich nicht qualifiziert. Dann rückte nämlich eine andere Europäerin nach, die weit weniger Gefahr für sie bedeutet als Schenk. Immerhin könnte Schenk im kommenden Jahr ein Stolperstein für eine der Top-Chinesinnen bei ihrem Weg zur Goldmedaille sein, zumal die Chinesen unter großem Druck zu Nervosität neigen. Vor einem Jahr sorgte die Bonnerin Petra Overzier bei der Weltmeisterschaft in Madrid für Furore und besiegte auf ihrem Weg ins Halbfinale eine starke Chinesin und mehrere Asiatinnen. Overzier ist inzwischen Mutter geworden und so lasten die deutschen Hoffnungen auf Juliane Schenk.

Die chinesischen Trainer machen gar keinen Hehl daraus, dass sie im kommenden Jahr fünf Goldmedaillen im Badminton eingeplant haben. Um das zu erreichen, tun sie einiges. „Die Chinesen haben eine spezielle Taktik entwickelt“, sagt Martin Kranitz, der Sportdirektor des Deutschen Badminton-Verbandes (DBV). Bei den kleineren Turnieren in Europa, die alle zur Olympiaqualifikation zählen, starteten in den vergangenen Wochen zahlreiche chinesische Spielerinnen, die ansonsten als Sparringspartnerinnen für die Topspielerinnen herhalten müssen. Das Niveau dieser Spielerinnen langt aber immer noch, um die Turniere ordentlich aufzumischen.

Auch Juliane Schenk hat das zu spüren bekommen. Bei dem mit 80 000 US-Dollar dotierten Grand-Prix-Turnier vor kurzem in Saarbrücken unterlag sie im Endspiel der 20-jährigen Chinesin Wang Yihan. Die junge Chinesin ist zwar U19-Weltmeisterin, kam aber als ungesetzte Spielerin ins Saarland und fegte alle Gegnerinnen vom Feld. Im Finale besiegte sie knapp in drei Sätzen Juliane Schenk. Immerhin hatte Schenk zuvor im Halbfinale eine andere Chinesin besiegt, Jiang Yanjioa, eine ehemalige U 19-Weltmeisterin

Solche Spiele wie auch der Druck in der Olympia-Qualifikation sieht Juliane Schenk als Vorteil. Die Partien gegen gute Asiatinnen bringen sie auf ein höheres Niveau. „Wenn ich nach Peking fahren darf, dann will ich da nicht nur irgendwie mitspielen“, sagt sie.

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