Sport : Baff erstaunt

Das "Bündnis aktiver Fußballfans" (Baff) staunt mächtig in diesen Tagen. Der Deutsche Fußball-Bund hat eine Spende für die Ausstellung "Tatort Stadion - Rassismus und Diskriminierung im Fußball" zurückgezogen. Begründung: DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder werde in der Schau als Rassist diffamiert. Was soll man auch denken, wenn man da Sätze schön plakativ aufgereiht liest wie: "Was wird aus der Bundesliga, wenn die Blonden über die Alpen ziehen und stattdessen hier die Polen spielen?" Glücklich hat sich Mayer-Vorfelder nicht gerade ausgedrückt. Schwarz auf weiß auf einer Schautafel haben solche Sätze nun mal eine andere Wirkung, als wenn sie mal so gedankenlos dahingesagt werden.

Dem DFB ist das reichlich spät aufgefallen. Er reagierte beleidigt auf die entsprechende Schautafel und sperrte ein Sümmchen, das in etwa dem Stundenlohn eines Nationalspielers entspricht. Jetzt staunte Baff erneut: Herthas Mannschaftskapitän Michael Preetz legte seine Schirmherrschaft für die Ausstellung nieder. Dabei hatte er sich bei der Eröffnung noch anerkennend geäußert. Er hat wohl nicht so genau hingeschaut damals, genauso wie die Herren vom DFB.

Die aufrecht antirassistischen Fußballfans müssen nun aber gleich wieder die ganz große Keule rausholen und sprechen von "falscher Loyalität" und "fehlender Zivilcourage" des Hertha-Kapitäns. Geht es auch mal eine Nummer kleiner? Natürlich ist die ganze Affäre peinlich für den DFB. Aber muss man gleich mit großen Worten wie "Zensur" kommen, nur weil der Verband nicht bereit ist, polemische Kritik an sich selbst auch noch höchstselbst zu finanzieren? Grünen-Chefin Claudia Roth jedenfalls sieht offenbar gleich das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung in Gefahr. Dabei hat doch niemand die Ausstellung verboten. Die Diskussion um die Fußball-Ausstellung dann auch noch - wie es Roth gestern tat - mit der Debatte um die Wehrmacht-Ausstellung zu vergleichen, das ist fast so peinlich wie Mayer-Vorfelders Sprüche.

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