Sport : Bahne Rabe ist tot: Der Schlagmann

Wolfgang Maennig

Bahne Rabe, einer der Größten des Rudersports, lebt nicht mehr. 1988 führte er als Schlagmann den Deutschland-Achter nach langen Jahren begrenzten Erfolges in Seoul zum Olympiasieg und initiierte damit eine einzigartige Serie von Medaillengewinnen im deutschen Achter. 1992 in Barcelona gewann er mit dem Achter Bronze. Andere herausragende Erfolge wie der Weltmeistertitel 1991 im damals noch olympischen Vierer mit Steuermann dürfen nicht vergessen werden. Erst 1996, kurz vor Saisonbeginn, beendete Bahne Rabe den aktiven Leistungssport, den er fast zwei Jahrzehnte lang mit unvergleichbarem Trainingswillen betrieben hatte.

Achter-Trainer Ralf Holtmeyer sagt heute, dass Bahne Rabe in seiner aktiven Zeit einer der zwei, drei stärksten Ruderer der Welt war. Vielleicht ist dies sogar untertrieben. 1988 wurde seine Leistung von 460 Watt auf dem Ruderergometer weltweit nur von einem Sportler knapp überboten, der diese Leistung allerdings im Boot nicht umsetzten konnte. Der Durchschnitt der anderen Ruderer im Seoul-Achter lag bei rund 410 Watt. Zu dieser überragenden körperlichen Leistungsfähigkeit kamen eine blendende Rudertechnik, ein exzellentes Rhythmusgefühl und eine hohe Nervenstärke im Wettkampf.

In dieser Zusammenstellung von athletischen Eigenschaften war Bahne Rabe einmalig in der Ruderwelt. Ohne den anderen Athleten aus seinen Mannschaften zu nahe treten zu wollen: Ohne Bahne Rabe wäre der Deutschland-Achter 1988 nicht Olympiasieger geworden, ohne ihn hätten auch die anderen Mannschaften und Athleten nicht ihre Erfolge gehabt.

Erfolgreiche haben in der Regel Neider. Für Bahne Rabe galt dies trotz seiner Überlegenheit nicht. Dies lag zum einen daran, dass er sich nie schonte, sondern extreme Erfahrungen suchte und dabei - die Fairness gegenüber anderen stets wahrend - bis zur Grenze der Selbstaufgabe ging. Sein Willen sollte immer noch stärker sein als sein Körper. Es lag aber auch daran, dass er sich gerne zurückhielt, und seine Fähigkeiten, die er nicht nur als Sportler, sondern auch als Diplom-Informatiker hatte, nicht in den Vordergrund stellte.

Bahne war ein stiller, oft in sich gekehrter Mensch. Einer, dem man umso mehr zutraute und dessen stets knappen, jedoch treffenden Rat, den er nie ungefragt erteilte, umso mehr schätzte. Auf Grund dieser Eigenschaften wurde Bahne selbst von deutlich jüngeren Ruderern, mit denen er nie persönlich gerudert hatte, großer Respekt entgegengebracht. Im Jahre 2000 gewann der bundesdeutsche Vierer mit Steuermann eine Weltmeisterschaftsmedaille in einem Boot, das die Mannschaft "Bahne" getauft hatte. Befragt, wieso sie das Boot derartig benannten, war ihre Antwort: "Bahne ist Kult."

Gestern wäre Bahne 38 Jahre alt geworden. Er wird als Freund und Partner fehlen. Alle, die ihm Vieles zu verdanken und mit ihm Siege und Niederlagen geteilt haben, werden das Gefühl nicht los, dass sie in den letzten Monaten seines Weges ihre Dankesschulden bei ihm nicht abtragen konnten. Das hinterlässt ein Gefühl der Ohnmacht. Bahne Rabe starb, am 5. August, nachdem eine Lungenentzündung seinen durch Bahnes Überwillen entkräfteten Körper überforderte.

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