Sport : Bahnrad: Kraft von der Straße

Hartmut Moheit

Sage niemals nie, denn erstens kommt es anders - und zweitens als man denkt! Eyk Pokorny hat sich daran gehalten, nur im innersten seines Herzens war der Berliner Radsprinter von den Hallenpisten bereits verschwunden. "Der Frust, in einer guten Form gewesen zu sein und dennoch das Olympiaticket für Sydney verpasst zu haben, wirkte bei ihm natürlich eine ganze Weile", bestätigt sein Trainer Emanuel Raasch, "aber das Thema ist nunmehr erledigt." Pokorny selbst, mit 31 Jahren in diesem Metier sich immer noch "im besten Alter" fühlend, wollte diesen Schritt am besten gar nicht kommentieren. Er war im Kreis der Weltelite bei der 1. Berliner Rad-Gala im Velodrom einfach wieder da, als hätte er sich nie mit anderen Gedanken beschäftigt. "Ich traue Eyk zu, dass er international wieder nach Medaillen greifen kann. Ausgebrannt ist er noch lange nicht", sprach Raasch für seinen Schützling, der viel lieber Runden im Velodrom drehen wollte, als über gestern, heute und morgen zu sinnieren. Die Ziele sind klar, schließlich ist Pokorny bereits WM-Medaillengewinner und Europameister im Sprint. Da muss er nicht mehr reden, sondern wieder kräftig in die Pedale treten.

Hinter der Entscheidung von Eyk Pokorny steht auch, dass die besten Kräfte unter den Berliner Radsprintern neu gebündelt worden sind. "Wir sagen den Chemnitzern den Kampf an", sagt Emanuel Raasch und lacht Michael Hübner zu. Der einstige Weltklasse-Fahrer verfügt in seinem XXL-Team mit dem zweimaligen Olympiasieger Jens Fiedler über jenen Berliner, der auch im Velodrom viel Beifall bekam. An ihm kann sich auch Eyk Pokorny wieder orientieren, damit ständig seinen Abstand zur Weltspitze messen. "Was wir in Zukunft als Team RSV Werner Otto machen wollen, ist nicht neu. Wie zu DDR-Zeiten werden wir uns die Kraft für die Bahn auf der Straße holen", meint Raasch, der mit seiner Crew den RSC Berlin in Richtung Otto-Verein verlassen hat. Zuletzt wurde nur auf der Bahn trainiert.

"Beim ersten Nominierungsrennen im Mai 2001 in Frankfurt (Oder) werden wir sehen, wie weit wir damit kommen." Was dann für Eyk Pokorny gilt, wird auch auf dem Kilometer-Vize-Weltmeister Sören Lausberg zutreffen sowie auf die Talente Warnicke, Wilhelm und den etwas älteren Schütze. Wenn auch die Berliner Rad-Gala eines Tages die Fans von den Sitzen reißen soll, ohne übertriebene Animation durch zwei Hallensprecher wie am Sonnabend, dann muss Berlin wieder Sprintstars aufbieten. Mit Eyk Pokorny als Aushängeschild.

In anderen Bahnrad-Disziplinen gibt es die Aushängeschilder: Guido Fulst bei den Verfolgern, Carsten Podlesch und Mario Vonhof im Steher-Metier. Apropos Podlesch: Als der 31-Jährige bei der Rad-Gala mit dem Schlussangriff den Sieg herausfuhr, sprangen die ansonsten lethargisch wirkenden 1500 Zuschauer auf und jubelten ihm für diese Leistung zu. Was mag Eyk Pokorny da gedacht haben?

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