Sport : Baisse am Ball

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helmut schümann über

die Winterdepression des Fußballs

Die Börse, heißt es, weiß, was geschehen wird. Sie blickt in die Zukunft und reagiert. Gestern blickte die Börse erst einmal nach vorgestern und ins Dortmunder Westfalenstadion. Dann reagierte sie. Um mehr als acht Prozent rauschte das Wertpapier mit der Kennnummer 549309 im Tagesverlauf in den Keller. Ein Erdrutsch, für 3,10 Euro wird die Aktie von Borussia Dortmund derzeit verscherbelt, im Oktober 2000, beim Ausgabetag war sie noch elf Euro wert. Mutmaßlich ist es ein Glücksfall für potenzielle Anleger, dass der FC Bayern München, Bayer Leverkusen und Schalke 04 nicht börsennotiert sind. Die Börse, heißt es, weiß, was geschehen wird. Was weiß die Börse? Wird alles noch schlimmer werden?

Gestern auch meldeten die Währungshüter der Europäischen Zentralbank düstere Prognosen für Deutschland, sie prophezeiten gar einen Abstieg in die Zweite Liga. Das hat jetzt wahrscheinlich weniger mit Borussia Dortmund und Schalke 04 etc. zu tun, aber möglicherweise hat dieses Land den Fußball, den es verdient. Oh weh, oh weh, Leverkusen war chancenlos in Mailand bei Inter, Dortmund auch gegen Mailand, AC, Schalke war hilflos gegen berühmte Polen aus Krakau und der FC Bayern nur lächerlich in dieser ChampionsLeague-Saison. Irgendwie Zweite Liga, das alles schon, nicht nur der Wirtschaftsstandort, auch der Fußballstandort - die Depression greift um sich. Hey, Leute, möchte man rufen, Hertha BSC hat der Weltelf vom FC Fulham getrotzt, Michael Ballack ist gerade zum zweitbesten Fußballspieler der Welt gekürt worden und wir sind Vizeweltmeister, Vizeweltmeister, Vizeweltmeister, und all die Tristesse ist nur eine Momentaufnahme und die Borussia hat auch schon mal 4:0 gegen Milan gewonnen. Nur hellt das den Blues nicht auf, weil ja gerade dieser Sieg schon im April war und damals auch nur eine Momentaufnahme - und überhaupt, wie war das noch kürzlich mit der Vizeweltmeisterschaft als es gegen die Schafshirten von den Färöer ging? Lustig, auf jeden Fall, war’s nicht. Spürt’s nicht ein jeder wie die Kälte sich legt aufs Land und Gemüt?

Nur gut, dass nach Sonnabend Schluss ist fürs Erste mit dem Fußball. Möcht man ja sonst schwermütig werden. Nur gut, dass dann die anderen Sportler zu Wort kommen, die Eisschnellläufer, die Skilangläufer, die Skispringer. Ja, die Skispringer, mit ihrem lustigen Neujahrsspringen in ihrer noch lustigeren Vierschanzentournee. Die hat noch immer wieder Sonne in die Herzen gebracht. Kürzlich allerdings ist Sven Hannawald irgendwo bei 50 Metern wieder auf den Boden gekommen, also da, wo die Konkurrenz ohne Skier hinhüpft, gottlob, dass Hannawald nicht börsennotiert ist. Die Schultern hängen weiter - puh, nicht auszuhalten diese Sportdepression.

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