Sport : Bakterien und Barrieren

Die deutschen Leichtathleten sind noch nicht in Form

Friedhard Teuffel

Berlin - Die Leichtathletik ist für die Olympischen Spiele das, was die Arie für die Oper ist, und so gesehen drohen die Wettbewerbe der Deutschen in Peking kaum hörbare Vorträge zu werden. Die deutschen Leichtathleten sind im Moment ziemlich schwach auf der Brust, bei ihren Meisterschaften am vergangenen Wochenende in Nürnberg konnten nur wenige in die Nähe ihrer Bestleistungen kommen. Die Vorfreude auf die Olympischen Spiele schien auch spontan um einige Prozentpunkte zu sinken.

Am Montag war Bundestrainer Jürgen Mallow jedoch froh, dass die Meisterschaft aus zwei Tagen bestand, nicht nur dem wolkenverhangenen Sonntag, sondern auch aus dem heiteren Samstag. „Diese Meisterschaft hält trotz des Unwetters am Sonntag den Vergleich mit früheren Meisterschaften stand“, sagte Mallow.

Gleichwohl hat auch Mallow gerade am Sonntag einige herausragende Leistungen vermisst und einige Athleten, die dem Gesamtauftritt der deutschen Leichtathleten gut getan hätten. Franka Dietzsch zum Beispiel. Die Weltmeisterin im Diskuswerfen musste erst wegen eines überhöhten Blutdrucks und Schwierigkeiten mit der Schilddrüse pausieren. Jetzt macht ihr das Sprunggelenk am linken Fuß zu schaffen. Im Training wirft sie daher derzeit fast nur aus dem Stand. „Ich habe immer ein, zwei gute Tage, und dann kommen wieder ein, zwei schlechte Tage“, sagte sie gestern. Sie und ihr Trainer Dieter Kollark haben die Olympiateilnahme aber noch nicht abgeschrieben.

In Nürnberg fehlte am Sonntag auch der Berliner Carsten Schlangen, einer der wenigen deutschen Läufer, die schon die Qualifikation für Peking sicher hatten. Über 1500 Meter wollte er seinen Titel verteidigen. Doch nach einer zu üppigen Mahlzeit am Samstagabend kam er nicht mehr auf die Beine. Eine bakterielle Infektion machte seinem Magen zu schaffen. „Die Serie ist natürlich jetzt hin, ich wäre gerne zum dritten Mal hintereinander Deutscher Meister geworden“, sagte Schlangen. Schlimmer traf es Bianca Kappler, die Weitspringerin kann wegen eines Achillessehnenrisses nicht nach Peking fahren.

Das bestürzte auch den Bundestrainer. Dennoch sagte Mallow: „Wir haben eine gute Mannschaft.“ Wie groß sie sein wird, das entscheidet sich am nächsten Dienstag bei der Olympia-Nominierung. Mallow rechnet mit „60 plus minus null Athleten“. So viel zur Quantität. Und zur Qualität: „Es ist denkbar, dass wir kein Gold holen. So war es auch vor vier Jahren in Athen. Aber dass wir keine Medaille gewinnen, würde mich schon sehr überraschen.“Friedhard Teuffel

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