Sport : Balance der Champions

Noch hat Stuttgart in der Champions League Nachholbedarf

Oliver Trust

Stuttgart. Erfolgreicher Fußball ist die richtige Balance aus Talent, Psychologie und Geschäft. Über das Selbstbewusstsein einer Mannschaft in einem wichtigen Spiel entscheiden deshalb nicht nur die sportlichen Fähigkeiten der Akteure, sondern auch Dinge, die wenig mit Sport zu tun haben. Zuletzt musste das die Mannschaft des VfB Stuttgart lernen, die nach guten Leistungen und darauf folgenden öffentlichen Lobpreisungen auseinander zu brechen drohte. Vor dem entscheidenden Gruppenspiel in der Champions League gegen die Glasgow Rangers am heutigen Mittwoch (20.45 Uhr, live bei Sat 1 und Premiere) trachtete die Konkurrenz aus dem In- und Ausland mit erheblichem finanziellen Einsatz nach dem Personal des Vereins. Erst kurz vor dem Spiel konnte der Architekt des Talentgebildes, Felix Magath, erleichtert durchatmen. „Das Gerede vom Ausverkauf konnte gestoppt werden“, sagte der Trainer.

Als Andreas Hinkel am Wochenende mit seiner Vertragsverlängerung bis 2007 ein Bekenntnis der Treue zum Verein ablegte, wirkte das wie ein Wunder. Vor Jahren noch zitterten sie in Stuttgart, wenn etwa die Bayern aus München mit Geld klimperten und Stürmer Elber wegkauften. Jetzt bleibt mit Hinkel einer, den der AC Mailand und Schalke 04 wollten und der gestand: „Ich verzichte auf viel Geld, weil ich hier eine sportliche Perspektive sehe.“ Felix Magath ist durchaus bewusst, dass mit Hinkels Bekenntnis die Chancen gestiegen sind, dass der VfB heute ein Unentschieden gegen Glasgow schafft und damit ins Achtelfinale der Champions League einzieht.

Das Weiterkommen in Europa ist wichtig für den Zusammenhalt des Vereins. Bisher hat er etwa 15 Millionen Euro aus den Gruppenspielen der Champions League eingenommen. Im Achtelfinale kämen 2,2 Millionen Euro dazu, die der mit rund 16 Millionen Euro verschuldete Klub gut brauchen kann. Ein müdes Lächeln entfährt ihm, wenn die Sprache auf seltsam anmutende Versuche der Marketingabteilung kommt. Die hat es fertig gebracht, dass am Mittwoch eine Frau mit Namen Manuela Schaffrath als Ehrengast auf der Tribüne zwischen namhaften Lokalgrößen sitzt, die unter dem Künstlernamen Gina Wild eine gewisse Berühmtheit in Filmen erlangte, die mit hüllenloser Freizügigkeit Kundschaft anlocken.

Beim Geschäft mit dem Fußball haben die Schwaben Nachholbedarf. 51 Millionen Euro nimmt der FC Bayern ein, Dortmund, Schalke, Hertha und Leverkusen kommen immerhin auf 15 bis 20 Millionen Euro Marketingeinnahmen. Der VfB Stuttgart verbucht nur bescheidene sechs Millionen. „Wir operieren auf verschiedenen Spielwiesen“, sagt Präsident Erwin Staudt etwas unkonkret. Felix Magath allerdings ist es wichtiger, dass Andreas Hinkel dabei ist, der ihm als „wahrer Sportsmann mit Größe“ gegen Glasgow sicher besser weiterhelfen kann als Gina Wild.

Erfolgreicher Fußball ist die richtige Balance aus Talent, Psychologie und Geschäft. An dieser Balance arbeiten sie noch beim VfB Stuttgart. Gerade in der Champions League.

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