Sport : Bald wieder eine neue, alte Mannschaft

SEBASTIAN ARLT

BERLIN .Einmal huschte dann doch kurz ein Lächeln über das ansonsten ernste Gesicht von Erich Ribbeck, als der Teamchef der deutschen Fußball-Nationalmannschaft erfuhr, daß das türkische Team sein drittes Heimspiel mit 1:3 gegen Finnland verloren hatte.Schadenfreude? "Dazu besteht überhaupt kein Anlaß, aber das Ergebnis könnte für uns noch große Bedeutung haben." Alles offen also wieder in der Qualifikationsgruppe 3, das ist einer der ganz wenigen positiven Aspekte, die nach dem Mittwoch-Spieltag in der EM-Qualifikation bleiben.Christian Nerlinger, durch dessen Hereinnahme man sich vergeblich Impulse erwartet hatte und der wie fast alle anderen ebenfalls weit unter seinen Möglichkeiten blieb, brachte es nach dem 3:1-Erfolg der deutschen Mannschaft gegen Moldawien auf den Punkt: "Der Sieg war das wichtigste, unser Spiel an sich aber eine Katastrophe." - "Wir haben es zu keiner Zeit des Spiels geschafft, Ruhe reinzubringen.Da war keiner in der Manschaft, von dem man das Gefühl hatte, daß er Regie führt", bemängelte der Teamchef.

Die katastrophale Vorstellung hätte leicht sogar noch in eine Niederlage münden können, wenn das Team des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) nicht 20 lichte Minuten gehabt hätte, in denen es durch Ulf Kirsten (2) und Oliver Bierhoff aus einem 0:1-Rückstand ein 3:1 machte.Und wenn man nicht einen Oliver Kahn im Tor gehabt hätte, der mit schier unglaublichen Reflexen mehrere Male moldawische Großchancen zunichte machte."Olli hat alles wieder gut gemacht", meinte Kapitän Oliver Bierhoff in Anspielung auf den groben Schnitzer Kahns, der den türkischen 1:0-Erfolg am vergangenen Sonnabend ermöglicht hatte.So richtig Freude kam bei Kahn aber dennoch nicht auf: "Da relativiert sich manches, wenn man vorher drei Tage lang nur auf die Schnauze gekriegt hat."

Kahn war wenigstens ein positives Beispiel für einen Umschwung gegenüber der Türkei-Partie.Das Extrem in die andere Richtung bildete die in Bursa noch zuverlässige Abwehr, in der vor allem Libero Jens Nowotny von einer Verlegenheit in die andere taumelte."Wir haben nicht die Ruhe bewahrt", meinte der Leverkusener.Als erfreulich wertete Ribbeck auf seiner ersten Dienstreise die Tatsache, daß seiner Meinung nach die Spieler sehr selbstkritisch seien - "das war in der Vergangenheit nicht so".Nowotny kann er damit aber wohl nicht gemeint haben.Auf seine Leistung angesprochen, antwortete er nur kurz: "Nicht nur ein Mannschaftsteil ist schuld."

Der 24jährige weiß genau: Jetzt wird wieder die Diskussion um eine Rückkehr des 37jährigen Lothar Matthäus an Fahrt gewinnen, auch wenn dessen Münchner Mannschaftskamerad Kahn forderte: "Man darf nicht nach einem Spiel gleich alles in Frage stellen.Ich würde mir wünschen, daß man mit der neuen Mannschaft etwas Geduld hat und ihr eine Chance gibt.Viele Spieler sind erst 22 Jahre alt und haben keine Erfahrung, da darf man nicht nur draufhauen."

"Loddar" ante portas.Ribbeck hat immer gesagt: "Die Besten sollen spielen." So wie Nowotny am Mittwoch in Kischinew auftrat, dürfte er gar nicht spielen.Erich Ribbeck redete nicht drumherum: "Ich halte Lothar Matthäus für wichtig für das Team." Neuaufbau gut und schön, doch Ribbek hat den klaren Auftrag: Qualifikation für die EM."Vier oder fünf Spieler werden beim nächsten Mal wieder dabei sein, die diesmal gefehlt haben.Wir dürfen nicht den Fehler begehen, die Mannschaft zu verjüngen, nur um zu dokumentieren, daß wir etwas Neues aufbauen.Ich bin froh, daß ich auf den einen oder anderen älteren Spieler zurückgreifen kann", lautete Ribbecks Fazit.Schon im nächsten Test am 18.November gegen die Niederlande in Gelsenkirchen wird der Europameister ein neues, altes Gesicht haben.Zu den Rückkehrern werden Mario Basler und Thomas Strunz, Christian Wörns nach abgelaufener Rotsperre und eben auch Rekordnationalspieler Lothar Matthäus (129 Einsätze) gehören.

In allen Bereichen gelte es, sich zu verbessern, meinte Ribbeck.Auch an der Technik müsse gefeilt werden, von daher sei es "aberwitzig" gewesen, daß einige Spieler sich über Übungen, eingeführt von Trainer Uli Stielike, lächerlich gemacht hätten, "obwohl diese sehr wichtig sind".Für Ribbeck steht aber fest: "Wir lassen uns von unserem Weg nicht abbringen, weil Uli Stielike und ich der Ansicht sind, daß das der richtige Weg ist." Mit wenigstens einer Bemerkung lag Nowotny richtig: "Schwere Arbeit liegt noch vor uns."

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