Sport : BALL Zeitung

Guter Wille entscheidet kein Spiel. Diese Einsicht hat die österreichische Presse gewonnen, beschwört nach dem verpatzen Auftaktspiel gegen die kroatische Auswahl aber wenigstens den – vergeblichen – Siegeswillen: „Großes Kämpferherz reicht nicht.“ Ähnlich urteilte die Neue Zürcher Zeitung:

„Das österreichische Team ist an einem reiferen, entschlossen auftretenden, wenn auch spielerisch keineswegs unerreichbaren Gegner gescheitert.“ Das trockene Fazit des Abends: „Brotloses Bemühen“. Verkrümelt euch nicht zu früh!

Von überschwänglichem Jubel ist aber auch beim Gegner wenig zu spüren. „Kroatien konnte Österreich bezwingen, hinterließ aber einen schlechten Eindruck“, meinen die enttäuschten Experten der Tagesszeitung 24 Sata. Die Kollegen von Jutarnji list sehen gleich die ganze EM in Gefahr: „Das laue Spiel hat die Euphorie zerstört.“

Poldis geburtsortbedingtes moralisches Toschuss-Dilemma beschäftigte die Dichter beim Schweizer Blick. Dort heißt es: „Polonski schießt Brüder ab.“ Freuen können wir uns an dem kreativen Umgang mit der Sprache allerdings nur kurz. Stehen dort doch auch die bösen Sätze: „Goalie Jens Lehmann wirkte unsicher, und besonders bei Angriffen über die Flügel wirkte das Team von Jogi Löw nicht unverwundbar.“ Portugals Público bringt den Abend auf eine griffige Formel: „Ein Pole schießt die Tore, aber Deutschland gewinnt.“ Gelebte Völkerfreundschaft.

Wie polnische Boulevardzeitungen mit der Niederlage umgehen: Seite 23

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