Ballack contra Bierhoff : "Da prallen zwei Welten aufeinander"

Ein Gockel zu viel: Seit Monaten brodelt ein merkwürdiger Konflikt zwischen Manager Bierhoff und Kapitän Ballack, der sich nach dem verlorenen EM-Finale an einer Nichtigkeit entzündete und seitdem nicht mehr kleinzukriegen ist. Aber um was geht es dabei wirklich?

Jörg Vogler
Ballack Bierhoff Foto: dpa, getty [m]
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Streit in der deutschen Nationalmannschaft hat eine lange Tradition - und auch diese scheint nicht ganz ohne auszukommen. Dennoch erscheint der Anlass für den nun seit zwei Monaten dauernden Hahnenkampf zwischen Ballack und Bierhoff nichtig: Der Nationalmannschaftsmanager fordert den Kapitän nach dem verlorenen EM-Finale auf, mit einem "Danke"-Transparent in die Fankurve zu gehen. Ballack reagiert mit einem Wutausbruch und es entwickelt sich ein Rededuell, bei dem mehrere beleidigende Schimpfwörter gefallen sein sollen. David Odonkor und Hansi Flick müssen schließlich dazwischen gehen, um Schlimmeres zu verhindern.

In einem Vier-Augen-Gespräch am vergangenen Donnerstag legen Ballack und Bierhoff ihren Streit bei - der Auftritt wird von den Medien aber eher als Theaterstück wahrgenommen. Dazu beigetragen haben Sätze wie: "Die Situation wurde sachlich erörtert. Es gibt keinerlei Ressentiments mehr." Besonders stutzig macht da die Bemerkung Bierhoffs, die Nationalmannschaft habe auch schon Spiele ohne Ballack gewonnen.

Abfuhr von Zwanziger

Was folgt ist eine Reihe von Interviews, die Ballack und Bierhoff im Ping-Pong-Verfahren den verschiedensten Medien geben, um mehr oder weniger gepflegt übereinander herzuziehen ("Die Nationalmannschaft hat auch schon gewonnen, als Oliver Bierhoff nicht ihr Manager war"). DFB-Präsident Theo Zwanziger schaltet sich ein und verlangt Ruhe, aber auch er kann den Konflikt nicht in Grenzen halten. Neuen Zündstoff liefert "Kaiser" Franz Beckenbauer in seiner "Bild"-Kolumne, wo er einen Friedensgipfel der beiden "Streithanseln" mit Zwanziger fordert. Der DFB-Chef lehnt nur wenige Stunden danach ab; genauso wie Oliver Bierhoff; eine Abfuhr von Michael Ballack lässt wohl nicht lange auf sich warten.

Die Vehemenz der wechselseitigen Angriffe lässt vermuten, dass etwas mehr dahintersteckt als der Streit um den Gang zur Fankurve in Wien. Tagesspiegel.de hat einige Sportredaktionen nach ihrer Einschätzung gefragt.

Old-School-Ballack

Sven Goldmann vom Tagesspiegel ist der Meinung, dass bei Ballack und Bierhoff "zwei Welten aufeinanderprallen". Die eine, die Old-School-Welt, vertreten von Ballack und Uli Hoeneß, steht für Kontinuität und will etwa Sponsor Adidas behalten. Die andere, Modernisierer Bierhoff, scheitert mit dem lukrativeren Nike-Deal womöglich nur deshalb, weil die Abneigung gegen ihn noch größer ist als die Vorteile des Nike-Angebots. Die Auseinandersetzung nach dem EM-Finale ist demnach nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Und welche Ziele verfolgt Franz Beckenbauer? "Der muss seine Kolumne eben auch voll kriegen."

Martin Volkmar von Sport1.de sieht vor allem in den Persönlichkeiten der Streithähne ein Problem. So ist etwa bisher keiner bereit gewesen, sich bei seinem Widersacher zu entschuldigen. Ballacks Problem: Der Kapitän reagiert - beeinflusst von Beratern - immer dünnhäutiger und hat noch immer mit dem letztlich enttäuschenden Abschneiden bei der EM zu knabbern. Insbesondere von ihm war damals mehr erwartet worden. Bierhoff hat wiederum mit Abneigung in der Liga zu kämpfen, die sich von seinem ständigen Gerede vom modernen Fußball diskreditiert fühlt. Außerdem ist Bierhoff zwar Ballacks Chef, hat aber de facto keine Machtbasis. Das derzeitige Spiel der beiden läuft deshalb auf ein Patt hinaus, weil keiner der Akteure stärker ist und niemand den Streit von außen auflösen will - was auch äußerst schwierig wäre, ohne für eine Seite Partei zu ergreifen. Denn daran haben weder Bundestrainer Joachim Löw, der beide braucht, noch DFB-Chef Zwanziger ein Interesse.

Widerstreitende Geschäftsinteressen sind dagegen für Philipp Köster vom Magazin 11 Freunde entscheidend für die "verbalen Kampfhandlungen". So wirbt Ballack für die Postbank und Adidas, Bierhoff für die Commerzbank und Nike. Das reicht nicht aus für einen monatelangen Streit? Offenbar schon...

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