Sport : Ballacks Herausforderung

Sven Goldmann

Von Kapitänen wissen wir, dass sie als letzte das sinkende Schiff verlassen, wenn sie nicht gerade auf der Bounty Dienst tun. Vielleicht ist es ungerecht, Manchester United mit einem sinkenden Schiff zu vergleichen, nur weil der Champions-League-Sieger von 1999 daheim seit Jahren vergeblich einem Titel hinterherläuft. Aber der Kapitän ist gestern gegangen, ähnlich freiwillig wie weiland Captain Bligh von der Bounty.

Roy Keane darf nicht mehr mitspielen bei der Mannschaft, deren Ruf als eine der besten der Welt er mit seinem aggressiven Stil einst prägte. Der Ire Keane war immer ein wertvoller, selten ein sympathischer, nie ein einfacher Spieler. Für die absichtlich herbeigeführte Verletzung eines Gegenspielers wurde er einmal für drei Monate gesperrt. 2002 verließ er die irische Nationalmannschaft kurz vor dem ersten WM-Spiel, weil er sich mit dem Trainer gestritten hatte. Vor ein paar Wochen hat er in einem Interview vermeintlich bequeme Kollegen kritisiert und vom Management die Verpflichtung besserer Spieler verlangt. Sein Boss Alex Ferguson hat auf diese Kritik reagiert, aber anders, als es Keane erwartet hat. Er will einen besseren Spieler holen als den 34 Jahre alten Keane, einen besseren Kapitän. Er will Michael Ballack holen.

Es gibt sportlich attraktivere Aufgaben, als die Nachfolge Roy Keanes anzutreten. Sollte es Ballack allerdings schaffen, diesen Mann in Manchester vergessen zu machen, hätte er mehr geleistet, als in Mailand oder Madrid je möglich sein wird.

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