Ballacks Verletzung : Schon wieder am Boden

Dem wochenlangen Frust folgte der neue Rückschlag: Michael Ballack muss mit einer Knieverletzung erneut sechs Wochen pausieren – und spricht enttäuscht über die vergangenen Monate.

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Michael Ballack im Zweikampf mit dem Hannoveraner Mohammed Abdellaoue. Foto: dpa
Michael Ballack im Zweikampf mit dem Hannoveraner Mohammed Abdellaoue.Foto: dpa

Auf dem Weg von der Dusche zum Mannschaftsbus sah alles noch ganz harmlos aus. „Man sollte kein Drama daraus machen“, fand Michael Ballack, als er leicht humpelte und über sein lädiertes Bein sprach. Die schmerzhafte Verletzung in seinem linken Knie, die er sich in der Partie bei Hannover 96 zugezogen hat, entpuppte sich jedoch am Sonntag als weitere Karrierebremse für den ratlos wirkenden Profi von Bayer Leverkusen. Wie sich herausstellte, muss Ballack wegen einer Fraktur im Schienbeinköpfchen des linken Beines sechs Wochen pausieren. Damit steht er auch der deutschen Nationalmannschaft bei ihren EM-Qualifikationsspielen Anfang Oktober definitiv nicht zur Verfügung.

„Natürlich wünsche ich ihm eine schnelle und gute Besserung“, sagte Bundestrainer Joachim Löw. Ballack wird in den Länderspielen am 8. Oktober in Berlin gegen die Türkei und am 12. Oktober in Kasachstan ausfallen. Auch für das Freundschaftsspiel am 17. November gegen Schweden dürfte die Heilungszeit nicht ausreichen. Joachim Löw muss nun allerdings auch weiterhin nicht die Frage beantworten, ob er seine erfolgreiche Mannschaft für eine Rückkehr Michael Ballacks umbauen soll.

Als Ballack aus dem Stadion in Hannover humpelte, wirkte er wehmütig. Das könnte neben seiner Verletzung auch am dürftigen 2:2 (1:0) der Leverkusener gelegen haben. Oder an den schwierigen vergangenen Wochen. Vor der exakten Diagnose sprach der 33-Jährige in einem Interview mit dem ZDF enttäuscht von der sinkenden Wertschätzung für ihn. „Mich wundert nichts mehr, bei dem was in den letzten Wochen passiert ist“, sagte er, „im Fußball geht es manchmal komisch und schnell.“ Einen Rücktritt aus der Nationalmannschaft schloss er aus. „Ich werde kämpfen, das habe ich immer getan“, sagte er. Auch freute er sich, dass Bastian Schweinsteiger sich neben anderen zuletzt positiv über ihn geäußert hatte. „Die können sich anscheinend noch ein bisschen erinnern an meine Leistungsstärke vor meiner Verletzung“, sagte er.

Seine Rückkehr in den Bundesliga-Alltag aber endete zunächst als Rückschlag. Wegen eines Fouls des Portugiesen Sergio Pinto musste Ballack nach 31 Minuten ausgewechselt werden. „Ich kann ja nicht zurückziehen, nur weil es Ballack ist“, sagte Pinto wenig reumütig. Dass die Leverkusener ohne Ballack gut zurechtkamen, rundete dessen Dilemma weitgehend ab. Der höhnische Applaus, mit dem die Mehrheit der 40 852 Zuschauer den Patienten Ballack aus dem Stadion entließ, klang wie ein Nachtreten gegen den eben noch so beliebten Nationalspieler.

Seit seiner Rückkehr vom FC Chelsea in die Bundesliga erlebt er schwere Tage. Bei seinem Auftritt in Hannover spielte er wie einer unter vielen. „Ich habe ihn nur einmal gehört – als er eine Gelbe Karte gefordert hat“, sagte 96-Profi Pinto. Es war wenig bis gar kein Respekt vor einem Mann zu sehen, dessen Status als Ikone des deutschen Fußballs seit seiner wegen eines Bänderrisses im Knöchel verpassten Weltmeisterschaft erheblich leidet. Immerhin sein Leverkusener Trainer hält zu ihm. „Michael hat sehr gut seine Position gehalten und Sicherheit ausgestrahlt“, sagte Jupp Heynckes, „schade, dass er ausgefallen ist.“

Doch sogar sein Teamkollege Patrick Helmes, der in der 90. Minute den Ausgleichstreffer erzielte, wollte sich nicht lange mit Mitleid aufhalten. „Michael Ballack ist bei uns ein Spieler wie jeder andere. Wir können seinen Ausfall kompensieren“, sagte der Angreifer.

Einer unter vielen – es sollte wohl ein Lob für die Ausgeglichenheit der Mannschaft sein. Es klang, als würde noch einer gegen Michael Ballack und seine Führungsansprüche nachtreten.

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