Sport : Ballsicher trotz Blasmusik

Rainer Schüttler lässt sich vom Lärm auf einem Nebenplatz nicht irritieren und zieht bei den US Open ins Achtelfinale ein

Matthias B. Krause

New York. Die Zuschauerreihen auf dem Nebenplatz auf der gigantischen Tennisanlage in Flushing Meadows waren nur locker besetzt, als Rainer Schüttler zu seinem Spiel der dritten Runde antrat. Blasmusik und Lautsprecherdurchsagen während der Matches auf den Außencourts bildeten eine merkwürdige akustische Kulisse, die Verantwortlichen der US Open interessierte das offensichtlich wenig. Selbst amerikanische Journalisten schauten nicht beim Duell des Deutschen mit Alberto Martin zu. Obwohl er tags zuvor noch bis spätabends im Doppel spielte, beherrschte Schüttler den Spanier mühelos. Nach 20 Minuten war der erste Satz erledigt, nach einer Stunde und 42 Minuten das gesamte Spiel. Schüttler siegte deutlich mit 6:1, 6:4, 6:2 und ist damit unter die besten 16 Spieler in Flushing Meadows gekommen. Und einiges deutet darauf hin, dass seine Reise noch nicht zu Ende ist.

Nach dem klaren Sieg traute sich Schüttler sogar, Eigenlob zu verteilen. „Heute habe ich nicht viele Fehler in meinem Spiel gefunden. Taktik, Aufschlag – alles war okay.“ Nun trifft er im Achtelfinale auf den Niederländer Sjeng Schalken.

So setzt sich die Saison für Schüttler fort, wie sie beim Grand Slam in Australien begann – mit positiven Überraschungen. In keinem der vier großen Turniere dieses Jahres musste er bereits in der ersten Woche nach Hause fahren, in Melbourne stoppte ihn erst Andre Agassi im Finale. Bis dahin könnte er es in New York auch schaffen, wenn alles weiterhin so günstig für ihn läuft. „Viel besser als gegen Martin kann es nicht werden“, sagte Schüttler. Es werde gegen den Niederländer Schalken wohl wie gegen Martin längere Ballwechsel geben. „Da kommt es darauf an, wer weniger Fehler macht“, sagt der deutsche Tennisprofi.

Die Statistik verzeichnet in drei Aufeinandertreffen zwei Siege für Schalken, doch was sagt das schon? In Wimbledon plagte Rainer Schüttler eine Fußverletzung, in New York ist er nicht nur topfit, sondern mittlerweile auch voller Selbstvertrauen. „Ich habe keine körperlichen Leiden“, sagt Schüttler. „Und wenn man von sich überzeugt ist, gehen die Bälle auch ins Feld.“ Ob er die Fortschritte, die er in seinem neunten Profijahr macht, als Quantensprung in seiner Karriere und in seinem Spiel empfinde, wurde er nach dem Sieg gegen den Spanier Martin in New York gefragt. Nach einer längeren Denkpause verneinte Schüttler: „Was mir einfach gefehlt hat, waren Erfolge bei zwei, drei ganz großen Turnieren. Nach Melbourne weiß ich, dass ich auch die Großen schlagen kann. So gesehen war es eher ein Quantensprung im Kopf, nicht in meinem Tennis.“ Andere sehen das ähnlich, etwa Patrik Kühnen. „Rainer ist in dieser Saison sehr viel dynamischer und konstanter geworden“, sagt der Kapitän des deutschen Daviscup-Teams.

Belohnt wird Rainer Schüttler für die guten Auftritte in diesem Jahr wohl auch mit einer Teilnahme an der Weltmeisterschaft in Houston. Derzeit steht Rainer Schüttler in der Punktewertung auf dem sechsten Platz, der ihm kaum noch zu nehmen sein dürfte. Die ersten acht Spieler dieser Liste qualifizieren sich schließlich für das Event am Ende dieser Saison.

Fragt sich nur noch, wann die Veranstalter der US Open die Qualitäten des Deutschen entdecken. Rainer Schüttlers Trainer Dirk Hordhorff und Daviscup-Teamchef Patrik Kühnen ereiferten sich beide, sahen den deutschen Tennisprofi von den Organisatoren benachteiligt. „Das ist eine Frechheit, den Rainer wieder mal auf einem Außenplatz spielen zu lassen“, sagte etwa Hordhorff.

Abgesehen von der Trainingsplatz-Atmosphäre dringen zu besagtem Nebenplatz auch alle Geräusche aus der Umgebung bis zu den Spielern vor. Nur Rainer Schütller störte sich an den ungünstigen äußeren Umständen nicht. Warum auch, schließlich hatte er gewonnen. „Ich habe mich von Runde zu Runde gesteigert und versuche, mich nicht mehr über die vielen kleinen Ärgernisse aufzuregen“, sagte er. „Die Veranstalter machen sowieso, was sie wollen“, sagte er. „Immerhin hatte ich den Vorteil, dass ich den Platz schon kannte.“ Und grinsend fügte Rainer Schüttler schließlich hinzu: „Jetzt wird es ganz schwer, mich noch einmal nach da draußen zu schicken. Ich möchte unbedingt ins Viertelfinale kommen, das wäre eine kleine Kür für mich. Das nötige Selbstvertrauen habe ich jedenfalls momentan.“

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