Sport : Ballsuche im Sturm

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Muirfield (dpa). Jene Sagengestalt, das „Monster von Muirfield“, das gibt es wirklich, vor allem, wenn der Sturm von West-Nordwest über den schottischen Golfplatz bläst. Am Samstag jedenfalls hat es Tiger Woods gepackt, kräftig durchgeschüttelt und – den Traum des weltbesten Profis zerstört, mit einem dritten Saisonsieg dem Grand Slam ganz nahe zu kommen. Dabei hatten viele Woods schon zum Sieger der 131. British Open Championship erklärt.

Aus dem lauen Wind am Vormittag war just zum ersten Abschlag des Weltranglistenersten ein Sturm geworden. Der Platz verwandelte sich unter den härtesten Wetterbedingungen der letzten Golf-Jahrzehnte in ein „Ungeheuer, das den Tiger innerhalb von vier Stunden regelrecht auffraß“, wie die „Sunday Times“ später schreiben sollte.

„Es war reine Frustration. Ich habe alles gegeben. Ich konnte aber nicht besser, dort draußen im Sturm und hüfthohen Gras“, sagte der 26-Jährige, als er durchnässt ins Klubhaus getaumelt kam. „Zeitweilig war es sogar schwierig, überhaupt stehen zu bleiben. Aber das Wetter gehört zu den British Open. Es ist unvorhersehbar und unabänderlich. So wird es immer bleiben.“

Mit 81 Schlägen hat Woods an diesem Tag die schlechteste Runde seiner Profikarriere gespielt. Da war er, mit insgesamt 219 Schlägen, im Gesamtklassement vom neunten auf den 67. aller 82 Ränge zurückgefallen. Schwer geschlagen, so beschrieb Woods nach der Demütigung auf dem Platz seine Stimmung. „Ich habe Gott sei Dank nicht noch mehr Schläge verloren.“

Umso unglücklicher ist dieser Tag in der Karriere des besten Golfers der Welt, weil es vor dem Abschlag noch so ausgesehen hatte, als sei der Sieg – mit zwei Schlägen Rückstand auf das Führungs-Quintett – nur noch eine Frage der Zeit. Und das wäre dann der dritte Major-Titel nach Woods’ Triumphen beim Masters und den US Open geworden. Hätte Woods dann auch im August bei der US PGA Championship noch gesiegt, dann hätte er als erster Profi der Welt von sich sagen dürfen, die vier wichtigsten Golfturniere innerhalb eines Kalenderjahres gewonnen zu haben.

Doch der Regen peitschte dem Champion quer ins Gesicht. Böen mit Geschwindigkeiten von bis zu 65 Kilometer pro Stunde verbliesen jeden Versuch, den Ball zu kontrollieren. Mit jedem Schlag auf dem Par-71-Kurs geriet das Spiel mehr zur Ballsuche. 10 über Par, so schlecht hatte Woods selbst als Amateur noch bei den Australian Open 1996 mit 79 Schlägen nicht gelegen. Die „Sunday Times“ machte aus ihm einen „zahnlosen Tiger im Regenterror“.

Der Betroffene selbst nahm es erstaunlich gelassen: „Du kannst nur rausgehen und dein Bestes geben. Manchmal gewinnst du, manchmal verlierst du.“

Am Ende, nach den vier Runden, kam Woods immerhin noch auf den 28. Rang, ebenso wie Bernhard Langer aus Anhausen. Gewinner der British Open wurde der Südafrikaner Ernie Els, der im „sudden death“ nach vier Extra-Löchern mit einem Par am 18. Grün gegen den Franzosen Thomas Levet triumphierte.

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