Sport : Bamberg boomt

Der Basketballverein holt den nächsten deutschen Nationalspieler: Mithat Demirel

Helen Ruwald

Berlin - Die Zustände in Italien waren für Mithat Demirel untragbar. „Der Trainer wusste nicht, dass am nächsten Tag ein neuer Spieler kommen würde, das Präsidium hat das alleine entschieden“, sagt der Basketballnationalspieler über seine Zeit beim Erstligisten Legea Scafati. „Und vier, fünf Amerikaner haben nur für ihre Statistik gespielt.“ Wegen Trainer Teoman Alibegovic, wie Demirel ein ehemaliger Profi von Alba Berlin, war der Spielmacher zu Saisonbeginn nach Süditalien gewechselt. Als Alibegovic entlassen wurde, war für Demirel klar, dass er sich ebenfalls nach einem anderen Verein umschauen würde. Angebote aus Italien und Griechenland lehnte er ab, „das hätte ähnlich laufen können wie in Scafati. Ich wollte aber die Lust am Basketball zurückkriegen“, sagt der 29-Jährige. Am Montag unterschrieb er einen Vertrag bis Saisonende beim Deutschen Meister Brose Baskets Bamberg.

Scafati hat Demirel schon vor drei Wochen verlassen, der Klub ist seitdem vom elften auf den vorletzten Tabellenplatz gerutscht. Demirel hat sich in Berlin fit gehalten, wo er 1996 bis 1999 und erneut 2001 bis 2005 für Alba spielte und fünf deutsche Meistertitel gewann. Anschließend trug der gebürtige Berliner zunächst das Trikot von Besiktas, dann das von Galatasaray Istanbul. Als er im Sommer 2007 auf Vereinssuche war, traf er sich auch mit dem neuen Alba-Trainer Luka Pavicevic. „Alba ist mein Traumverein“, sagte er damals. Doch die Berliner entschieden sich für Bobby Brown. Als Angestellter des großen Konkurrenten Bamberg drückt er sich nicht mehr ganz so euphorisch aus, wenn es um Alba geht, und spricht nur noch von einem „besonderen Verein, dem ich viel zu verdanken habe“. Bamberg sei nicht zweite Wahl, sondern „eine sehr gute Adresse“. Während zu Berlins Kader mit dem verletzten Johannes Herber und Demirels Freund Patrick Femerling nur zwei deutsche Nationalspieler gehören, sind es bei den Bambergern, die von Bundestrainer Dirk Bauermann gecoacht werden, nun fünf: Demirel, der zu Saisonbeginn aus Berlin nach Franken gewechselte Demond Greene, Steffen Hamann, Robert Garrett und Ademola Okulaja, ein weiterer ehemaliger Alba-Profi. „Wenn man mitten in der Saison den Verein wechselt und 80 Prozent der Leute kennt und die Sprache spricht, kann es nirgends idealer sein“, sagt Demirel.

Besser laufen könnte es allerdings auf dem Spielfeld. Zuletzt verlor der Tabellenfünfte der Basketball-Bundesliga sieben Pflichtspiele in Folge, darunter Anfang Dezember 60:80 gegen Alba Berlin und am vergangenen Wochenende 63:71 beim Tabellenletzten Jena. In der Europaliga ist Bamberg mit neun Niederlagen aus zehn Spielen chancenlos. Demirel, der heute gegen Lottomatica Rom sein Debüt gibt, soll nun neue Impulse setzen. „Er besitzt Qualitäten, die uns momentan abgehen“, sagt Bauermann, „eine unbeschwerte, freche Spielweise, keine Angst und den Mut, das Unerwartete zu machen.“

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