Sport : Bangen um Ballack

Im englischen Pokalfinale zwischen Chelsea und Portsmouth wird der Kapitän der Nationalmannschaft rüde von Boateng gefoult. Die Schwere seiner Verletzung bleibt zunächst unklar

London - Eigentlich ist es eine unverdächtige Szene im englischen Pokal-Finale in Wembley. Ein paar Minuten noch sind bis zur Halbzeitpause zu spielen, 0:0 steht es zwischen Chelsea und Portsmouth. Ein Ball im Mittelfeld, Michael Ballack leitet ihn mit dem Innenrist weiter. Einen Moment später rauscht Kevin-Prince Boateng heran, mit einem Schritt tritt er Ballack auf den Knöchel, mit einem weiteren schlägt Boateng nochmal auf dieselbe Stelle. Ballack fällt. Er krümmt sich vor Schmerz am Boden, hält sich den Knöchel, schreit. Nach ein paar Minuten ärztlicher Behandlung außerhalb des Spielfeldes probiert der 33-Jährige es noch einmal. Vergeblich. Noch vor der Halbzeit lässt sich der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft auswechseln. Wie schwer seine Verletzung ist, war bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch unklar.

Ballack selbst gab am Samstagabend zumindest ein bisschen Entwarnung. „Gebrochen ist nichts, aber wir müssen die Untersuchung am Sonntag im Krankenhaus abwarten. Ich hoffe, es ist eine Prellung“, sagte er. „Die Sache wird mit Sicherheit ein paar Tage dauern – im besten Falle.“ Nach dem Abpfiff gestern zeigte sich Ballack allerdings ziemlich angeschlagen: Er feierte zwar mit seinen Mannschaftskameraden – Chelsea gewann das Finale am Samstag 1:0 (0:0) durch ein Tor Didier Drogba –, hatte aber sichtlich Schwierigkeiten beim Auftreten und konnte im Gegensatz zu den anderen Spielern den Erfolg nicht mit Freudensprüngen bejubeln. Nach der Übergabe des Pokals aus den Händen von Prinz William an der königlichen Loge kam Ballack als Letzter wieder auf den Platz und stellte sich sicherheitshalber vor statt auf das Siegerpodest.

Er wird sich am Sonntag in London einer Kernspintomographie unterziehen. Dass Ballack wie geplant am Montag ins Regenerations-Trainingslager der Nationalmannschaft auf Sizilien nachreisen kann, ist eher unwahrscheinlich. „Natürlich brauchen wir ihn, er ist unser Kapitän“, sagte Bundestrainer Joachim Löw am Abend. „Sein Ausfall wäre ein herber Verlust.“

Dass ausgerechnet Kevin-Prince Boateng den deutschen Kapitän so grob foulte, hatte eine besondere Note. Boateng steht im Aufgebot des deutschen WM-Vorrundengegners Ghana. Für sein hartes Einsteigen sah Boateng die Gelbe Karte, immerhin entschuldigte er sich noch beim am Boden liegenden Ballack. Der ehemalige Herthaner und gebürtige Berliner war aber nicht nur wegen des Fouls der tragische Held des Tages. Boateng hatte den Absteiger und hoch verschuldeten Klub Portsmouth mit einem verwandelten Elfmeter erst ins Finale geschossen. Also schnappte Boateng sich in der 56. Minute wieder den Ball, nachdem der für Ballack eingewechselte Juliano Belletti seinen Gegenspieler Aruna Dindane im Strafraum von den Beinen geholt hatte. Beim Stand von 0:0 war der Druck besonders hoch. Boateng wollte aber offenbar besonders lässig verwandeln – seinen flachen Schuss in die Tormitte wehrte Chelseas Petr Chech mit dem Fuß ab. Boateng zog sich sein weißes Trikot über den Kopf, am liebsten wäre er wohl ganz darin verschwunden.

Vor 88 335 Zuschauern im fast ausverkauften Wembleystadion hatte Chelsea von Anfang an das Spiel dominiert. Doch ein Tor gegen Portsmouth mit dem englischen Nationaltorhüter David James wollte einfach nicht gelingen. Früh traf Frank Lampard bereits das Lattenkreuz, Salomon Kalou, John Terry und Drogba ließen dann weiter Latte und Pfosten des zweimaligen Pokalgewinners Portsmouth wackeln. Die zweite Halbzeit begann mit viel Tempo. Zuerst vergab Boateng den Elfmeter. Fast im Gegenzug dann gelang Drogba mit einem direkt verwandelten Freistoß die für Chelsea verdiente Führung. Letztlich souverän sicherte sich der große Favorit zum ersten Mal in der Klubgeschichte das Double (Meisterschaft und Pokal) und zum sechsten Mal den FA-Cup.

Das FA-Cup-Finale – Michael Ballack hat es in seinen vier Jahren bei Chelsea bereits zum dritten Mal erreicht – ist für den Nationalmannschafts-Kapitän bisher selten gut verlaufen. Und das, obwohl seine Mannschaft immer siegte. Beim ersten Mal 2007 gegen Manchester United (1:0 n.V.) musste Ballack wegen einer langwierigen Verletzung im linken Fuß zusehen. Vor einem Jahr gegen den FC Everton (2:1) wechselte ihn Interimscoach Guus Hiddink erst nach einer Stunde ein. Tsp

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