Sport : Barbecue am Bodensee

Jan Ullrich wird beim Weltcup-Rennen in Zürich nur Zweiter und wird trotzdem wie ein Sieger gefeiert – auch seine Zukunft im Team Bianchi scheint gesichert

Hartmut Scherzer

Zürich. Jan Ullrich wusste nicht recht, welches Gefühl überwog. „Ich bin froh, dass ich Zweiter geworden bin. Aber traurig bin ich natürlich schon.“ Zum vierten Mal hatte es für den deutschen Radstar beim Weltpokalrennen Meisterschaft von Zürich „nur“ zum zweiten Platz gereicht. „Es scheint, als könnte ich hier immer nur Zweiter werden. Aber einmal werde ich hier schon gewinnen“, sagte er mit trotzigem Lachen.

Nach 1997 (Rebellin), 2000 (Dufaux) und 2001 (Bettini) hatte diesmal einer aus seiner alten Telekom-Mannschaft die Nase vorn: Daniele Nardello. Der 31-jährige Italiener im Magenta-Trikot hatte sich acht Kilometer vor dem Ziel abgesetzt und rettete sich nach 5:55:30 Stunden mit sechs Sekunden Vorsprung vor dem prominenten Verfolger ins Ziel. „Es wurde schon noch ganz eng für Nardello, und ich hatte gehofft, dass ihm die Beine einschlafen“, sagte Ullrich. „Aber auch meine Beine wurden zum Schluss schwer. Dennoch: Noch fünfhundert Meter, dann hätte ich ihn gekriegt.“

Nardello berichtete, er habe erst auf dem letzten Kilometer gemerkt, dass ihn Ullrich verfolge. „Da habe ich noch einmal alles gegeben, was ich habe.“ Es sollte ihm ergehen wie bei der Tour, als er auf der 18. Etappe noch abgefangen und Dritter wurde. Auch Ullrich hatte mehrmals versucht, wegzukommen. „Ich war heute nicht so stark, um mit einer frühen Attacke zu gewinnen“, räumte er ein.

Bei der Siegerehrung wurde er trotzdem umjubelt, als hätte er gewonnen. Und er selbst feierte auch. Für den Abend hatte er zu sich nach Hause zum Barbecue am Bodensee eingeladen. „Alle meine Freunde wie Winokurow oder Guerini sind durch das Rennen in der Nähe. Diese Chance habe ich genutzt. Denn so oft kommt man ja nicht zusammen so dicht bei mir zu Haus.“

Nach dem Rennen teilte Ullrich mit, dass er nicht bei der Vuelta starten, sondern mit seinem sportlichen Leiter Rudy Pevenage ein Parallel-Programm für die Weltmeisterschaft im Oktober in Kanada ausarbeiten werde.

Schon am Vortag hatte er sich dazu geäußert, wie es mit Bianchi weitergehe. „Bis Ende des Monats kriege ich Bescheid und werde über das ganze Budget informiert. Ich gehe davon aus, dass alles in Ordnung kommt.“ Pevenages Partner Hanegraaf verriet: „Wir haben einen Sponsor-Partner für nächstes Jahr. Einen internationalen Konzern, der finanzielle Sicherheit garantiert und neben Bianchi aufs Trikot kommt.“ Der Name des Partners soll nach der Saison Ende Oktober bekannt gegeben werden.

Jan Ullrich lässt alles auf sich zukommen. Er genießt seine neue Popularität. Auch wenn er Zweiter wird, ob in Paris oder in Zürich.

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