Sport : Barca blamiert sich

Schusters Getafe siegt im Pokal nach 2:5 mit 4:0

Julia Macher

Berlin - Wunder sind möglich im Fußball. Mit dieser simplen Losung hatte Bernd Schuster in den letzten Tagen seine Mannschaft eingeschworen vor dem Duell gegen den FC Barcelona. Doch außer Schuster und den Spielern des Madrider Vorstadtclubs FC Getafe wollte niemand so recht an die Chance des Außenseiters glauben. Schließlich standen nach der 2:5-Niederlage gegen FC Barcelona die Chancen beim Königspokal-Rückspiel sehr schlecht. Und dann hatte der Argentinier Lionel Messi noch mit seinem maradonagleichen Jahrhunderttor die Fußballwelt verzaubert und die Katalanen in Siegerlaune versetzt. Zu früh. Denn am Donnerstagabend wurde das Wunder wahr: Der kleine Verein kickte den großen FC Barcelona mit einem 4:0 ins Aus, steht damit zum ersten Mal in seiner 62-jährigen Geschichte im Finale, wo nun der FC Sevilla wartet.

„Das ist der schönste Tag meiner Trainerkarriere“, jubelte der sonst eher zurückhaltende Schuster euphorisch. „Ich hatte das Gefühl, dass dies eine sehr schöne Nacht werden könnte. Deswegen hatte ich schon vorher den Sekt kalt gestellt.“ Was Schusters Team vor 17 000 Zuschauern im Alfonso-Pérez-Stadion zeigte, war mindestens Champagner wert. Gegen den Sturmwirbel des Außenseiters konnten die beschämend lethargischen Katalanen, die während der ersten Halbzeit kaum aus ihrer Spielfeldhälfte herauskamen, nichts ausrichten. Gerade einmal 35 Sekunden waren seit dem Anpfiff vergangen, da stand Daniel Güiza allein vorm gegnerischen Tor. Seine durch zu langes Zögern verpasste Torchance machte der Stürmerstar durch das 2:0 und den Siegtreffer zum 4:0 in der 73. Spielminute wett. Der Schweizer Fabio Celistini, Javier Casquero (1:0/37.) und Vivar Dorado (3:0/70.) übten unermüdlich Druck aus. Gegen das direkte Spiel von Schusters hoch motiviertem Team kamen die millionenschweren Fußballartisten nicht an. Ronaldinho und Eto’o hatten einen allenfalls blassen Auftritt.

Hunderte Getafe-Fans höhnten nach Abpfiff: „Wo ist Messi?“ Frank Rijkaard hatte den Nachwuchsstar zu Hause gelassen, um, so die spanische Sportpresse, seinen jungen Künstler vor gegnerischen Fouls zu schützen. Die Vorsicht hat der Holländer bitter bezahlt. „Das war eine sehr schwere Nacht für uns“, sagte Barcelonas Coach und entschuldigte sich für den „schlechten Eindruck“, den das Team hinterlassen hatte. Carles Puyol, der sich nach der demütigenden Niederlage als einziger Spieler interviewen ließ, bezeichnete das Spiel als „katastrophal“. Die Mannschaft habe offensiv genug gespielt, sagte der Kapitän. „Wir wollten nur den Vorsprung halten – darin ist Barca einfach nicht gut. Hätte Getafe mehr Tore gebraucht, hätten sie auch noch ein paar Mal getroffen.“ Aus Champions League und Königspokal geflogen, bleibt den Katalanen in dieser Saison nur die spanische Liga. Darin sind sie Tabellenführer Real Madrid und Sevilla auf den Fersen. „Wir sollten die Saison in der Liga würdevoll beenden“, appellierte Rijkaard Es klang, als bäte der Trainer nach der Blamage von Getafe um ein Wunder.

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