Sport : Barcelona macht den Champion

Christian Hönicke

Verliert Fernando Alonso die Nerven? Lange Zeit schien angesichts der stoischen Gelassenheit des Spaniers schon eine solche Fragestellung absurd. Doch der Druck, bei seinem Heimrennen in Barcelona unbedingt gewinnen zu müssen, und der sich langsam anschleichende Michael Schumacher haben offenbar selbst bei Alonso kleine Schweißperlen auf der Stirn hinterlassen.

Das lassen jedenfalls die deutlichen Worte vermuten, mit denen Alonso seinen Rennstall kritisiert. Erst äußerte er Zweifel daran, dass Renault ob der knauserigen Finanzphilosophie das Wettrüsten mit Ferrari bestehen kann, dann verkündete er, er sei sich sicher, im nächsten Jahr im schnellsten Auto der Formel 1 zu sitzen – bei McLaren. Gerade weil Alonso in der kommenden Saison nicht mehr bei Renault fahren wird, bekommen solche Äußerungen einen unangenehmen Beigeschmack. Es könnte der Eindruck entstehen, Alonso lege sich auf Kosten seiner langjährigen Kollegen schon einmal eine kugelsichere Argumentationslinie für den Fall zurecht, dass er die WM wider Erwarten nicht verteidigen kann.

Man kann Michael Schumacher viel nachsagen, aber fest steht: Niemals hat der Deutsche auch nur den Anflug der Vermutung aufkommen lassen, „das Team“ sei an einer schlechten Leistung schuld. Fernando Alonso muss erst noch beweisen, dass er kann, was ein großer Champion können muss: anständig verlieren. Am Sonntag in Barcelona hat er die Gelegenheit dazu. Es sei denn, er zeigt die einzige andere Reaktion, die eines Weltmeisters würdig ist – und gewinnt.

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